Hamburg: Die Chemie der Gefühle

Anzeige
Verlieben sich ineinander: die Medikamententester Connie (Henrike von Kuick) und Tristan (Kostja Ullmann)Foto: Oliver Fantitsch

„The Effect“: Halbgares über Liebesdinge

Hamburg. Um die Frage, ob Gefühle „chemisch“ beeinflußt werden, geht es in Lucy Prebbles neuem Stück „The Effect“, das kürzlich im Ernst Deutsch Theater Premiere hatte. Wissenschaft und Gefühle sind in dem Drama der jungen Engländerin (Jahrgang 1981) unentwirrbar miteinander verworben. Nicht nur die beiden jungen Probanden geraten da durcheinander. Auch die Ärztin Lorna James und ihr Vorgesetzter Dr. Toby Sealy kommen immer wieder ins Schleudern. Sealy hat Lorna diesen Job verschafft, weil er unsterblich in sie verliebt ist. Aber auch die Testreihe hat für ihn einen hohen Stellenwert, weshalb er der Ärztin nicht die ganze Wahrheit über den Umgang mit den Testpersonen verraten hat.
Dr. Lorna James testet ein neues Antidepressivum. Connie und Tristan nehmen an der medizinischen Versuchsreihe teil. Die beiden jungen Leute reagieren unterschiedlich. Während Connie Depressionen offenbar nicht unbekannt sind, nimmt Tristan es, wie ein ganz lockerer Sunnyboy, als einen Riesenspaß. Um den zu erhöhen, baggert er Connie unverhohlen an, die dem offenen, zupackenden Charme ihres Mittesters schließlich erliegt. Doch nun droht die ganze Testreihe zu misslingen. Liebe ist während der Versuchsreihe nicht vorgesehen. Die beiden Verliebten plagt bald ein ähnliches Problem. Ist ihre Liebe eigentlich echt, oder womöglich nur das Ergebnis des neuen Antidepressivums, das sie gerade testen?
Stoff also für knisternde Spannung rund um eine brisante Frage. Doch „The Effect“ kommt nur halbgar über die Bühne des Ernst Deutsch Theaters. Lucy Prebble vergibt die Möglichkeit, das brisante Thema wirklich auszuloten und bleibt in etwas zu offensichtlichen Liebesdingen hängen. Saskia Fischer (Lorna) und Erik Schäffler (Toby Sealy) bauschen ihre große Offebarungsszene zudem allzu sehr mit Lautstärke und Gestik auf. Dem jungen Paar (Henrike von Kuick und vor allem Kostja Ullmann) nimmt man die frische Liebe und den anschließenden Knatsch eher ab. So bleibt es oft bei dramatischen Effekten. Die Betroffenheit bleibt auf der Strecke. „The Effect“ ist bis zum 11. April im Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, zu sehen. (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige