Hamburg kleinstes Zimmertheater

Künstlerische Leiterin Angelika Landwehr vor ihrem Theater.Foto: mk

Nächste Premiere: Christa Wolfs „Kassandra“

Horn. Recht unscheinbar wirkt das blaue Schaufenster in der Washingtonallee, hinter dem sich große Bühnenkunst verbirgt. Nur ein aufgemalter Schriftzug verweist auf den Hinterhof, den Zugang zu Hamburgs kleinstem professionellen Zimmertheater, das seit drei Jahren von der Kulturbehörde gefördert wird. Seit 1999 wurden hier unter der künstlerischen Leitung von Angelika Landwehr 50 Premieren und mehr als 130 Gastspiele dem Publikum präsentiert.
In dem Bestreben der Intendantin, eine freie Bühne für freie Schauspieler und ihre Projekte in der Hansestadt zu schaffen, war das Theater in der Washingtonallee geboren. Neben der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Größen wie Horst Seidler, der jedes Jahr ein neuen Klassiker Shakespeares hier inszeniert, ist die ausgebildete Schauspielerin sehr auf die Nachwuchsförderung junger Talente bedacht. Nach Vereinbahrung können diese bei ihr Einzelunterricht und eine Vorbereitung auf die Schauspielschule nehmen. Angelika Landwehr bietet zudem regelmäßig einen Volkshochschulkurs für zehn interessierte Teilnehmer an, die zum Ende an fünf Abenden ein gemeinsam erarbeitetes Stück im Zimmertheater vor 40 Zuschauern präsentieren dürfen.
Jährlich darf sich das Publikum auf vier Premieren in der Washingtonallee freuen. Ab Mitte April zeigt die Regisseurin ihr Schauspielsolo „Kassandra“, welches gleichzeitig eine Hommage an die kürzlich verstorbene Autorin Christa Wolf ist. Das Monumentum des Krieges lehnt an Figuren der griechischen Antike an und erzählt die Geschichte einer unversöhnlichen Liebe sowie die einer tragischen Heldin, die für die Autonomie im aufkommenden Überwachungsstaat kämpft und sich lieber dem Galgen stellt, als den neuen, inhumanen Gesetzen. Die außergewöhnliche Sprache Christa Wolfs wird von Bühnenbildner Frank Nähr in ein modernes Museums-Szenarium gesetzt, in der neben zahlreichen Ausstellungstücken aus der Antike noch der Geist Kassandras verweilt, bereit, sich einen Körper als Sprachrohr zu wählen. (mk)
u Premiere: Freitag, 13. April, 20 Uhr, Theater in der Washingtonallee, Washingtonallee 42. Weitere Vorstellungen jeweils donnerstags, freitags und sonnabends bis 26. Mai. Kartenreservierung unter t 65 99 11 68 oder im Internet: www.theaterwashingtonallee.de. Um Vorbestellung wird gebeten.
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