Hamburg: Krieg und Propaganda

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Die „Hamburger Weihnachtsgabe für Heer und Flotte“ entwarf Julius Vogel (1862 – 1927)Repros: Hörmann

Museum zeigt: So wirkten die Massenmedien im Ersten Weltkrieg

Hamburg. Der Erste Weltkrieg gilt als erstes globales massenmediales Ereignis der Moderne. Anlass für das Museum für Kunst und Gewerbe, diesem Phänomen in einer großen Ausstellung genauer auf den Grund zu gehen.
Zu sehen sind über 400 Exponate, darunter Plakate, Grafiken, Fotografien und historische Filme. Tonaufnahmen und Musik versetzen den Betrachter 100 Jahre zurück, helfen, die „neue Waffe“ der Kriegsführung, die Propaganda, nachzuempfinden und zu verstehen, wie sie die Menschen immer näher an den Abgrund trieb.
„Hätte es nicht diesen wahnsinnigen Propaganda-Apparat gegeben, wäre der Krieg sehr viel schneller zu Ende gewesen“, meint Museums-Chefin Sabine Schulze.
Plakate, mit Müttern, die ihre Söhne in den Krieg schicken, Aufrufe, die an die Ehre appellieren und Verweigerer ins Abseits stellen – die Ausstellungstücke berühren und machen nachdenklich. Der Krieg als Medienereignis, Massenmanipulation mit Exponaten aus Frankreich, England, den USA, Russland, Italien, Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich – besonders im Bereich der Plakate zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe einen umfassenden Überblick.
Die allgegenwärtige Stimmungsmache in Wort und Bild übertönte Kritik und brachte nicht zuletzt das notwendige Kapital auf, um die Vernichtungsmaschinerie in Gang zu halten. Allein in England wurden in zwölf Monaten mehr als zwölf Millionen Plakate gedruckt. In stetiger Wiederholung der Hass-Propaganda schürten die Kriegsparteien die Feindschaft der Völker. Gleichzeitig erscheint der Krieg als „großes Abenteuer“, zu dem sich die jungen Männer umgehend freiwillig melden sollen.
Die Mittel der Emotionalisierung wurden vor 100 Jahren erstmals in großem Stil erprobt und perfektioniert. Das Ergebnis: Vier Jahre Krieg, 17 Millionen Tote. Anlass für einen kritischen Blick zurück und auch in die Gegenwart.
Das Museum bietet zu der Ausstellung „Krieg und Propaganda 14/18“ zahlreiche Führungen und Workshops, die sich zum Beispiel an Schulklassen richten, um das Thema wissenschaftlich zu vertiefen. (sh)

bis 2. November, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, direkt am Hauptbahnhof. Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei. Informationen zu Workshops und Gruppenführungen unter info@museumsdienst-hamburg.de
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