Hamburg: Rivalen der Liebe

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Nach dem Tod einer Frau quasi posthum zu Rivalen geworden: Halpern (Werner Rehm, l.) und Johnson (Charles Brauer) Foto: Oliver Fantitsch

Dialog-Stück „Halpern & Johnson“ überzeugt im EDT

Uhlenhorst. Ein jüdischer Friedhof. Die Trauergemeinde ist versammelt. Ein älterer Herr spricht das Kaddisch, das bei Trauerfeiern übliche Gebet. Als bis auf ihn alle gegangen sind, erscheint ein weiterer älterer Herr mit einem Blumenstrauß, bittet darum, diesen auf das frische Grab legen zu dürfen. Der Kaddischsprecher, Joseph Halpern, der Ehemann der Verstorbenen, hält ihn für den Vertreter des Beerdigungsinstituts.
Doch Dennis Johnson kommt nicht im offiziellen Auftrag, sondern hat ein ganz persönliches Anliegen. Er kannte die verstorbene Florence Halpern.
Nun entwickelt sich ein spannender Dialog um Freundschaft, Liebe, Beziehungen, Rivalitäten - in Lionel Goldsteins Stück „Halpern & Johnson“, das zurzeit noch im Ernst Deutsch-Theater gespielt wird.
Die beiden älteren Herren treffen sich in einem Park und tragen ein Duell um eine verstorbene Frau aus wie junge heißblütige Liebhaber. Johnson, so stellt sich zum Schrecken des Ehemanns heraus, war Florences Liebhaber, bevor Halpern sie kennen lernte - und, was schwerer wiegt, traf sich während seiner Ehe regelmäßig mit seiner Verflossenen, war ihr Vertrauter. So schonend wie möglich versucht Johnson dem alten Rivalen seine Beziehung zu Florence zu erklären. Es hilft nichts. Der aufbrausende, herrische Halpern versteht nur zu gut. Es fehlt manchmal nicht viel, und die beiden Rentner gehen sich an die Gurgel. Dabei bleibt die Rolle der eigentlichen Hauptperson, der verstorbenen Florence Halpern, im Unklaren. Wer war sie? Was waren die Beweggründe ihres Handelns? Der Zuschauer erfährt nur die Interpretationen ihrer beiden Männer.
Goldsteins Zwei-Personen-Stück mit geschliffenen, pointierten Dialogen lebt in Gerd Heinz´ Inszenierung in naturalistischen Bühnenbildern - sogar andere Parkbesucher kreuzen die Wege von Halpern und Johnson - von den beiden Hauptdarstellern. Charles Brauer (Johnson) und Werner Rehm (Halpern) machen aus der Inszenierung ein Schauspielfest. (ch)

bis Sonnabend, 24. Mai
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