Hamburg: Stark inszeniertes Drama

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Kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg ist die Nervosität groß: John (Jonathan Nyati) bedroht den Ankömmling Simon (Declan Wilson). Caleb (Rich Dolphin) schaut zu Foto: Kock

„The Whipping Man“ im English Theatre: Südstaaten-Epos um Freiheit und Verantwortung

Hamburg. Amerikanischer Bürgerkrieg, drei Tage nach der letzten Schlacht: Caleb, ein Soldat der Südstaaten, erreicht schwer verwundet sein Elternhaus, ein mittlerweile halb verfallenes großes Anwesen, in dem nur noch der einstige Sklave Simon ausharrt. Kurze Zeit später trifft ein weiterer ehemaliger Sklave ein: der junge John, etwa im selben Alter wie Caleb. Zwischen den drei Überlebenden des großen Schlachtens zwischen den amerikanischen Nord- und Südstaaten entwickelt sich in Matthew Lopez´ Stück „The Whipping Man“ ein spannender und schließlich ergreifender Dialog über Abhängigkeit, Freiheit und Verantwortung. Die beiden Farbigen, die dem armen Caleb zunächst improvisiert ein Bein abnehmen müssen, um sein Leben zu retten, haben ganz verschiedene Erfahrungen der Abhängigkeit gemacht und ziehen unterschiedliche Schlüsse für die für sie ganz neue Zukunft.
Simon, der Ältere, hat sich seinen Besitzern gegenüber immer loyal verhalten, obwohl auch er geschlagen wurde. Nach dem Ende der Sklaverei sieht er große Chancen für ein Leben in Freiheit und Toleranz zwischen Weiß und Schwarz. John, der Jüngere, der üble Erfahrungen mit dem „Whipping Man“ gemacht hat, dem Peitschenmann, der die Prügelstrafen an den Sklaven zu vollziehen hatte, sieht sich als Sieger, und „besorgt“ sich überall in der Umgebung, was er braucht. Er ist nicht gut auf seine früheren Eigentümer zu sprechen, und gerät in Konflikt mit Caleb, der seine Familie als moderate Sklavenhalter verteidigt.
Dass alles ganz anders und viel schlimmer war, entfaltet sich im zweiten Teil, der mit einem jüdischen Gottesdienst eingeleitet wird - beide Ex-Sklaven sind jüdischen Glaubens. Simons Frau und seine Tochter, in die Caleb verliebt war, wurden noch verkauft, was Simon nicht wusste. Und John hat den Whipping Man zu Tode gepeitscht. Simon verlässt, außer sich vor Schmerz, am Ende das Anwesen. Caleb und John bleiben ratlos zurück.
Die starke Inszenierung von Clifford Dean im naturalistischen Südstaaten-Bühnenbild lebt von den Dialogen der drei hervorragenden Schauspieler Rich Dolphin (Caleb), Declan Wilson (Simon) und Jonathan Nyati (John), die Lopez´ spannenden Text jederzeit atmosphärisch dicht umsetzen. (ch)
bis 8. November im English Theatre, Lerchenfeld 14
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