Knappe Erzählungen und fröhliche Farben

Anzeige
Künstlerin Tita do Rego Silva zeigt eine der Illustrationen des Buches. Foto: kg

Peggy Parnass und Tita do Rego Silva präsentieren gemeinsames Buch

St. Georg. Die Journalistin und Schauspielerin Peggy Parnass und die Künstlerin Tita do Rego Silva waren zunächst Nachbarinnen in St. Georg, wurden dann zu guten Freundinnen und haben jetzt zusammen ein Buch veröffentlicht. „Kindheit“ heißt das Werk der beiden, in dem Peggy Parnass von ihrem Leben während des Nazi-Regimes in Deutschland erzählt illustriert mit farbigen Originalholzschnitten von der in Brasilien geborenen Tita aus dem Künstlerhaus Koppel 66. Peggy Parnass kennen nicht nur die St. Georger gut, durch ihre Gerichtsreportagen für die Zeitschrift „Konkret“ hat sich die Publizistin schon vor Jahren einen Namen gemacht. Politisch aktiv ist die über 70-Jährige auch heute noch. Geht es um eine Solidaritätsveranstaltung für die Buchhandlung Wohlers ist sie genauso zur Stelle, wie für andere Aktionen in ihrem Stadtteil. „Dabei mag Peggy den Hauptbahnhof bis heute nicht“, erklärt Tita do Rego Silva das Leben ihrer Freundin, die in Eimsbüttel geboren wurde, 1939 aber in einen Zug nach Schweden gesetzt wurde, der sie für immer von ihren Eltern trennen sollte. Ihre Eltern waren Juden, der Vater Pole, die Mutter zur Hälfte Portugiesin. Als der Vater verhaftet wurde, sah die Mutter keine andere Möglichkeit, als Peggy und ihren jüngeren Bruder ins Ausland zu schicken. Die Eltern kamen schließlich ins Vernichtungslager Treblinka.

Peggy Parnass spricht in ihrem Buch „Kindheit“ von ein paar Briefen, die sie noch von den Eltern bekommen habe, aus dem Warschauer Ghetto, bevor sie nach Treblinka mussten. „Wie noch einmal aus dem Fenster rufen bei Brand“. Die Briefe und Karten hätte sie dann in einem Schuhkarton überall mitgetragen, auf ihren Stationen bei verschiedenen Pflegeeltern. Bis zu dem Tag, als man ihr auch diese Briefe nahm und sie verbrannte. Mit dem Buch über die Kindheit von Peggy Parnass ist eine Geschichte entstanden, die Ausschnitte zeigt, die in ihrer Kürze doch so viele der zurückgebliebenen Spuren erahnen lassen. Die Bilder von Tita, in wunderschönen Farben leuchtend, dabei direkt neben diesen Geschichten. „Es sollte kein dunkles Buch werden“, beschreibt die Künstlerin die Zusammenarbeit. Von dem Ergebnis sind bei heute absolut überzeugt. Gerade die Mischung aus den knappen und unverhüllten Erzählungen in Verbindung mit den fröhlichen Farben macht das Buch so einzigartig. Genau tausend Exemplare sind jetzt auf dem Markt. Gedruckt im Museum der Arbeit, da die eigene Druckmaschine der Brasilianerin für eine so hohe Auflage nicht geeignet war. Der Buchkünstler und Verleger Klaus Raasch, mit dem Tita schon einige Bücher produziert hat, sieht es als eine Ehre, dieses Buch produzieren zu dürfen. Die Arbeit der Illustratorin Tita, die bereits seit 1988 in Hamburg lebt, reichte dann über die ersten Zeichnungen und das Erstellen der Druckplatte bis hin zu der komplizierten Herstellung, bei dem jede Farbe einzeln gedruckt werden muss. Ein Meisterwerk, das es ab sofort zu kaufen gibt – auch in der Koppel 66 selbstverständlich. (kg)
„Kindheit“ von Peggy Parnass mit Originalholzschnitten von Tita Do Rego Silva, Verlag Schwarze Kunst, Hamburg, 48 Euro.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige