Kunsthändler der Avantgarde

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Dr. Ute Haug, hier mit einer Skulptur von Renée Sintenis, forschte intensiv über den Kunsthändler Alfred FlechtheimFoto: Hörmann

Ausstellung zu Alfred Flechtheim in der Hamburger Kunsthalle

City. Statt eines Künstlers steht in der neuen Ausstellung der Hamburger Kunsthalle dieses Mal ein Kunsthändler im Mittelpunkt: Alfred Flechtheim, ein vor dem Zweiten Weltkrieg international bekannter Galerist. Flechtheim, der „Kunsthändler der Avantgarde“, verkaufte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts Werke von Paul Klee, Ernst Barlach, Lovis Corinth und Oskar Kokoschka, von Picasso, Munch und Matisse. Durch seine Arbeit verschaffte er den Künstlern Aufmerksamkeit, erhöhte ihren Marktwert. Es waren die wilden Zwanziger Jahre, Flechtheim eine schillernde Figur, „ein Typ, den alle Welt kannte, von dem alle Welt redete“, so sein Zeitgenosse, der Kunstkritiker Paul Westheim. Die Bilder, mit denen er handelte, hängen heute in den Museen der Welt. Der jüdische Kunsthändler selbst starb jedoch, verfolgt von den Nationalsozialisten, 1937 im Alter von 59 Jahren in London. Nur in den seltensten Fällen erfahren die Betrachter eines Gemäldes etwas über seine Geschichte, durch wessen Hände es gegangen ist, bevor es schließlich im Museum landete. Doch hinter den Kulissen wird genau zu diesem Thema fleißig geforscht, die sogenannten Provenienzforscher verfolgen die Spuren der Bilder in der Geschichte. Grund genug für die Hamburger Kunsthalle und vierzehn weitere Museen, diese Arbeit einmal öffentlich zu machen – und zwar am Beispiel Alfred Flechtheim. In der Kunsthalle ist eine Ausstellung mit 44 Kunstwerken, die Hamburg zwischen 1914 und 1931 von Flechtheim gekauft oder geschenkt bekommen hat, zu sehen. Dazu gibt es Hintergrundinformationen über Bilder, die als verschollen gelten, weil sie von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ beschlagnahmt wurden. Zeitgleich präsentieren auch die anderen Museen von Flechtheim gehandelte Werke und das gesamte Forschungsprojekt ist auf einer Website im Internet dokumentiert. „Uns geht es darum, die Verfolgungs- und Diffamierungsgeschichte Flechtheims zu dokumentieren“, sagt Ute Haug, Provenienzforscherin der Hamburger Kunsthalle, „und gleichzeitig seine Arbeit und sein Wirken zu würdigen, denn er war kein typischer Händler, der nur auf das Geld gesehen hat, Flechtheim hatte intensiven Kontakt zu den Künstlern, er hat sie gefördert.“ Erstaunlich ist, wie viele Werke durch Flechtheim ihren Weg ins Museum gefunden haben. Eine spannende Spurensuche, die die Website www.alfredflechtheim.com dokumentiert. (sh)

Bis 19. Januar 2014, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr,
Hamburger Kunsthalle, Saal der Meisterzeichnung, Glockengießerwall. Eintritt:
12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Website: alfredflechtheim
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