Moderne Frauen

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Ein Horrorszenario mit Clown (Aljoscha Stadelmann) erlebt die jüngste Frau (Gala Othero Winter) Foto: Matthias Horn

Peer Gynt im Deutschen Schauspielhaus

St. Georg Ein Stück über moderne Frauen hat Simon Stone, umworbener Jungregisseur aus Australien, das jetzt am Deutschen Schauspielhaus Premiere hatte, geschrieben. Nach einem Männerstück: „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen, Uraufführung 1876. Der 31-jährige Stone pflegt Klassiker einfach neu zu schreiben und hat damit Erfolg. Auch am Schauspielhaus reüssiert er – mit einem Peer Gynt, der von drei Frauen aus drei verschiedenen Generationen gespielt wird. Sie alle brechen auf, in die Welt hinaus wie Peer Gynt, der in Ibsens erstem großen Erfolgsstück auf der Suche nach dem eigenen Ich die Welt bereist und dabei nicht nur wirklichen Menschen, sondern auch Wesen aus Mythen und Sagen begegnet.
Stones „Peer Gynt“ beginnt mit dem Schluss von Ibsens Klassiker. Die älteste der drei Frauen kommt zurück zu ihrem Ehemann, den sie in jungen Jahren kurz nach der Geburt ihrer Tochter verlassen hat, um ein Peer-Gynt-Leben zu führen. Irritationen auf beiden Seiten. Die Frau erkundet vorsichtig die Gefühlslage und Lebenssituation des früheren Gatten. Eine starke Szene mit Angela Winkler und Ernst Stötzner. Auf der kaum möblierten in den Zuschauerraum hineingezogenen Bühne mit einem durch Lichtumrahmung angedeuteten Haus lernen wir so nach und nach die übrigen Familienmitglieder kennen, mit denen der alte Mann unter einem Dach wohnt: den hysterischen, schwächlichen Ehemann seiner verschwundenen Tochter und deren junge drogenkonsumierende Tochter sowie seinen Bruder und dessen leicht debilen Sohn. Die Tochter des alten Ehepaares ist als erfolgreiche Geschäftsfrau in der arabischen Welt unterwegs, handelt ohne Skrupel mit Kulturgütern aus den Händen des IS und lässt sich von einem jungen Lover befriedigen, der sich später auch für ihre Tochter interessiert und der Vater ihres Kindes wird. Er wie alle Männer in Stones Stück stehen diesen drei Frauen hilflos gegenüber, machen sich bei den Versuchen, sie in klassische Beziehungsmuster zurückzuholen, lächerlich. Nur die Frauen streben hier mit klaren Vorstellungen und Wünschen vorwärts, raus aus den bekannten Lebensentwürfen. Dabei verletzen sie, werden verletzt, wie Peer Gynt, der bei allen drei Ausbrüchen Pate steht. Anders als der „nordische Faust“, der am Ende in den Armen der ihm über alle Eskapaden treu ergebenen Solveig stirbt, finden die modernen Frauen von SimonStone aber weder Glück noch Vergebung oder Erlösung. Am Ende entflieht auch die jüngste einem in greller Überzeichnung dargestellten Familienidyll, nachdem ihr erstes Kind geboren wurde. Wie ihre Großmutter. Ein Kinderwagen bleibt verlassen auf der Bühne zurück.Ein ausgezeichnetes Ensemble setzt Stones Geschichte von modernen Frauen um. Insbesondere die drei Peer-Gynt-Frauen Angela Winkler, Maria Schrader und Gala Othero Winter beeindrucken durch ganz große Schauspielkunst. Weitere Vorstellungen am 13. und 30. April, 21. und 26. Mai. (ch)
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