Moral hin oder her...

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Gorges Mastromas (Julian Mehne, r.) Bruder Sol (Markus Knüfken) rechnet mit ihm ab Foto: Oliver Fantitsch

Ernst-Deutsch-Theater zeigt Stück von Dennis Kelly

Uhlenhorst Warum wandelt sich ein moralisch integrer Mensch zum hemmungslosen Egozentriker und Machtmenschen? Erklären kann Autor Dennis Kelly diesen Vorgang in seinem Stück „Die Opferung des Gorge Mastromas“, das jetzt im Ernst Deutsch Theater zu sehen ist, nicht. Aber er zeigt die Stationen dieses Wandels sehr genau und nachvollziehbar auf.

Lebensgeschichte


Wir erleben eine Lebensgeschichte, zunächst von den sechs Darstellerinnen und Darstellern weitgehend erzählt. Im Small Talk werfen sie sich wie auf einer Dinner Party mit Sektglas in der Hand die Sätze zu. Gorge Mastromas, so erfahren wir, hat schon als Jugendlicher immer richtig gehandelt, moralisch korrekt. Doch die Erzähler stellen schon zur Debatte warum: „Güte oder Feigheit?“ Als Gorge erleben muss, wie die Firma, in der arbeitet, von einer größeren ruiniert wird, und eine Karrierefrau aus diesem Unternehmen kennenlernt, die ihm genau erklärt, wie man erfolgreich und mächtig wird, wechselt er die Seiten. Fortan nimmt er sich, was er kriegen kann, lügt wie gedruckt und bereut nichts. Auf dass er zu dem kleinen Teil der Menschen gehöre, „die um die wahre Natur des Lebens wissen. Diesen Menschen gehört die Welt. Sie sind reich und mächtig und haben alles, weil sie alles tun würden.“ Mastromas steigt zum mächtigsten Konzernchef der Welt auf. Nun wird in Kellys Stück die bekannte, aber immer wieder lehrreiche Geschichte von dem reichen Mann erzählt, der sich alles kaufen kann, nur keine Freunde. Mastromas schwelgt im Reichtum, und lügt weiter, so dass seine Freundin nicht mehr weiß, was sie glauben soll, und ihn verlässt. Sein Bruder und schließlich sein Enkel geben ihm den Rest. Keiner bleibt bei ihm. Enkel Pete erklärt ihm, dass er sein Leben nutzlos dem Erfolg geopfert hat.

Vorstellung bis 21. Februar


Das gute Ensemble spielt Kellys Stück in der Regie von Peter Lotschak überzeugend in glitzern-kalter Neoliberalismuswelt, schlüpft von Erzählern immer wieder in Personen, denen Mastromas begegnet. Julian Mehne beeindruckt wandlungsfähig in der Hauptrolle. „Die Opferung des Gorge Mastromas“ wird bis 21. Februar im Ernst Deutsch Theater, Friedrich Schütter Platz 1, gespielt. (ch)
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 14.02.2016 | 12:33  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 14.02.2016 | 12:37  
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