Outlaw im Olymp

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Dr. Kordelia Knoll, Oberkonservatorin Staatliche Kunstsammlungen Dresden, ist besonders stolz auf den frisch restaurierten Dionysos-Torso, den Dresden als Leihgabe für die Ausstellung beisteuerte

Bucerius Kunst Forum widmet dem Weingott Dionysos eine Ausstellung

City. Unter den griechischen Göttern war er ein Outlaw, oft betrunken, seine Mutter nur eine Sterbliche, überhaupt wurde er erst spät in den Olymp aufgenommen, er war der jüngste unter den großen Göttern: Dionysos.
Bei den Menschen ist der Gott des Weines und der Ekstase dagegen umso beliebter, ganz besonders bei den Künstlern. Die alten Griechen schufen ihm zu Ehren die schönsten antiken Skulpturen, die Römer nannten ihn Bacchus und verehrten ihn im religiösen Mysterienkult. Es ist der Reiz der Grenzüberschreitung, das Wilde und die Lebensfreude, die uns an dieser mythologischen Figur bis heute faszinieren. Das Bucerius Kunst Forum zeigt in der Ausstellung „Dionysos. Rausch und Ekstase“ 90 Werke vom 5. Jahrhundert vor Christus bis in die Moderne. Zu sehen sind reizvolle Dionysos-Darstellungen aus allen Epochen: In der Renaissance steht der Gott des Weines für den Triumph des Lebens, auch die barocke Malerei macht ihn zum Symbol für Lebensfreude, er verkörpert das sinnliche Naturempfinden. Gemeinsam mit seiner Frau Ariadne (die Dame mit dem Faden) wird er zum am häufigsten gemalten Liebespaar der Geschichte.
Bis ins 20. Jahrhundert gestalten Künstler die leidenschaftliche Welt des Weingottes in Festzügen und Gelagen auf Reliefs, Gemälden, Zeichnungen, als Vasenmalerei oder Skulptur. Spannend ist der Vergleich, manche Bilder sind, passend zum dargestellten Objekt, respektlos und lustig.
Da trinkt ein kindlicher Dionysos fassweise Wein und pullert ihn gleich wieder aus oder der Gott des Weines wird zum Busengrabscher. Dreißig besonders herausragende Kunstwerke der Ausstellung stammen aus Dresden, darunter die berühmten antiken Skulpturen einer tanzenden Mänade (weibliche Begleiterinnen des Dionysos) und des Tanzenden Satyrs (Mischwesen aus Tier und Mensch), Gemälde von Peter Paul Rubens und von van Dyck.
Ein großer Dionysos-Torso, eine römische Arbeit aus dem 2. Jahrhundert, die einst August der Starke kaufte und nach Dresden holte, hat hier in Hamburg ihren ersten öffentlichen Auftritt in Europa seit der Restaurierung in New York.
Die Skulptur war in den Wirren des Zweiten Weltkrieges zerbrochen und schlummerte seitdem in Einzelteilen im Depot der Kunstsammlungen Dresden. Erst jetzt wurde sie in mühevoller Arbeit von den Restauratoren des Getty Museums zusammengesetzt und kommt im Anschluss an die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum wieder nach Dresden. Die Besucher können den kopflosen Dionysos also direkt nach seiner Reise über den großen Teich als Erste bewundern. (sh)

Bis 12. Januar 2014, täglich 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro
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