Pablo Picasso – mit dem Pinsel zitiert

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Die Dame mit Handy ist Teil des Bildes von Marcin Maciejwoski aus dem Jahr 2014 Repro/Foto: sh

Umgebaute Deichtorhallen: Interpretationen namhafter Maler zu sehen

City Die Deichtorhallen zeigen eine große Picasso-Schau – ohne einen einzigen echten Picasso. 90 Künstler setzten sich in 200 Werken mit dem spanischen Großmeister auseinander, zitieren seine Werke, malen ihn selbst oder Motive, die er gemalt haben könnte, sie persiflieren Picasso, studieren und kopieren seinen Malstil oder nähern sich dem Vorbild auf humorvolle Weise.
So steckte der Italiener Maurizio Cattelan (geboren 1960) zum Beispiel 1998 einen Schauspieler in ein Picasso-Kostüm mit einem riesigen Picasso-Plastikkopf. Die Picasso-Puppe begrüßte Besucher des Museum of Modern Art in New York, schüttelte ihnen die Hand. Cattelan inszenierte den Jahrhundertkünstler als groteske Marionette, um die Vermarktung des Malers zu kritisieren, das Museum wird zum Disneyland der Kunst. In den Deichtorhallen ist die riesige Puppe aus Plastik und Stahl ein Highlight, das den Künstler in die Ausstellung holt. Der Meister ist allgegenwärtig, er verkörpert wie kein anderer Künstler die Kunst des 20. Jahrhunderts und wurde von seinen Zeitgenossen und seinen Nachfolgern bewundert und gehasst, kopiert und kritisiert. „Offensichtlich schöpfen die Künstler aus der Begegnung mit Picasso Kraft, er scheint sie anzustacheln“, erklärt Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow, „es ist wie eine Obsession, sich mit Picasso zu messen, mit dem Genius, mit seiner listigen Intelligenz und auch mit dem Ruhm Picassos.“
Unter den ausgestellten Künstlern finden sich illustre Namen: Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Georg Baselitz, Jasper Johns, sie alle haben sich an Picasso abgearbeitet. Gleich sechs Interpretationen seines monumentalen Anti-Kriegsbildes „Guernica“ sind zu sehen, die unterschiedlicher nicht sein können und sich doch alle irgendwie am Vorbild orientieren.

„Offensichtlich schöpfen die Künstler aus der Begegnung mit Picasso Kraft, er scheint sie anzustacheln“ Intendant Dirk Luckow

Alle großen Stoffe und Schaffensphasen des Spaniers tauchen als künstlerische Rezeptionen in den Deichtorhallen auf: die Blaue Periode mit den Themen Einsamkeit, Verzweiflung und soziales Elend, belebte Motive aus der Rosa Periode mit Zirkusgestalten und zahlreiche Bilder im kubistischen Stil.
Die Ausstellung zeigt viel über Picasso und über die Künstler, die sich mit ihm auseinandersetzen. Sie eröffnet ein vielseitiges Spektrum moderner und zeitgenössischer künstlerischer Sichtweisen auf den Ausnahmekünstler – und sie ist witzig, der Rundgang in keiner Minute langweilig, weil jede Stellwand überraschende neue Variationen bietet. Für die Ausstellungsmacher war die Vorbereitung dieser Schau mit über 100 Leihgebern aus aller Welt ein Kraftakt, doch der Einsatz hat sich gelohnt.
Die erste Ausstellung nach 17 Monaten umfangreicher Sanierung und Modernisierung der Halle für Aktuelle Kunst (das Wochenblatt berichtete) ist nicht weniger als ein Paukenschlag, die Aufmerksamkeit ist dem Team um Intendant Dirk Luckow gewiss, feiern die Deichtorhallen doch dieses Jahr auch ihr 25jähriges Jubiläum. „Zur Wiedereröffnung wollten wir eine Ausstellung zeigen, die ein Kunstfest ist, die Lust auf Kunst macht“, sagt Luckow. Das ist auf jeden Fall mit der Picasso-Ausstellung gelungen. (sh)

Noch bis 12. Juli, Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, jeden 1. Do im Monat bis 21 Uhr, Deichtorhallen, Deichtorstraße 1-2, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre frei.

Tag der offenen Tür
Die Deichtorhallen und die Körber-Stiftung laden zum „Tag der offenen Tür“ in die Deichtorhallen ein. Anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Deichtorhallen und der Wiedereröffnung der Halle für Aktuelle Kunst ist am Sonntag, 12. April der Eintritt für alle Besucher frei. Zwischen 11 und 18 Uhr gibt es ein umfangreiches Programm mit Führungen durch die Ausstellung „Picasso in der Kunst der Gegenwart“ und die Fotoausstellung „EPEA 02 – the new social“ im Haus der Photographie. (sh)

Sonntag, 12. April, Deichtorhallen, Deichtorstraße 1-2, Eintritt: frei. Weitere Infos: www.deichtorhallen.de
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