Sneaker – Design für flotte Füße

Anzeige
Sneaker als Ausstellungsstücke Foto: MKG, Michaela Hille

Museum für Kunst und Gewerbe zeigt Turnschuh-Ausstellung

Von Stefanie Hörmann
City
Turnschuhträger sind lässig, sie wehren sich gegen allzu formelle Kleidung und pflegen auch sonst einen eher unkonventionellen Lebensstil – so ist das gängige Klischee. Doch während es in den 80er Jahren noch piepegal war, welchen Turnschuh Joschka Fischer zu seiner Vereidigung als erster grüner Minister im hessischen Landtag trug – die Provokation war, dass er überhaupt Turnschuhe anhatte – sind die Marke und das Modell heute ein modisches Statement. Lino Ruppel aus Bochum hat 200 Paar, der Sportstudent ist Teil der Sneaker-Szene und trifft sich mit Gleichgesinnten regelmäßig zum Stammtisch. Wichtigstes Gesprächsthema: natürlich Turnschuhe. Gemeinsam mit seinem Freund Hoschi Morano und dem Sammler Hikmet Sugoer hat Ruppel das Museum für Kunst und Gewerbe bei der neuen Ausstellung „Sneaker. Design für schnelle Füße“ unterstützt. Die drei sind keine typischen Sammler, tragen ihre Schuhe, auch wenn sie dadurch an Wert verlieren. „Das Modell, das ich anhabe kostet ungetragen heute rund 1500 Euro“, erklärt Lino Ruppel, „aber ich finde die einfach total bequem.“ Sprichts und erwartet irgendwie, dass die Journalistin erstaunt ist, dass er seine Turnschuhe trägt, ist sie aber nicht, sie trägt ihre eigentlich immer, nur eben zum Sport. So weit der Unterschied zwischen dem Sneaker-Freak und dem Normalo. Einige Paare hat Lino aber auch gehortet, wie man es von einem Sammler erwartet, die stehen dann im Keller, „manche Schuhe sind so hässlich, dass sie schon wieder cool sind“, sagt Lino, aber die trägt er dann eher auch nicht Sein „Yeezy“, der 1500 Euro Treter, sieht eigentlich ganz ordentlich aus. Die Schreifarben haben sich die Designer eher für die Performance Schuhe aufgehoben – was das wohl ist? Schuhe, mit denen man Sport treibt, die man in jedem Laden in jeder Größe und Farbe kaufen kann. Für so etwas hat der Sneaker-Fan natürlich keinen Platz im Sammler-Regal. Dafür zahlt er für das richtige Modell erstaunlich viel Geld. Ein Spitzenpreis von 3500 Euro erzielt heute der erste „Yeezy“, inzwischen gibt es zahlreiche Folgemodelle. Aber die Jagd nach dem hippsten Teil wird immer schwieriger. „Im Online Shop von Nike dauert es fünf Sekunden, dann sind alle weg, wenn ein neues limitierte Modell rauskommt“, sagt Hoschi Morano, man muss gut vernetzt sein in der Szene, um die begehrten Modelle zu ergattern. Gern campieren Jugendliche auch tagelang vor Sportgeschäften, um den neusten Design-Kracher an Land zu ziehen. Vor der Tür verkaufen sie das Teil dann für den doppelten Preis an den, der kein Paar abbekommen hat. Wer sich die schicken Schuhe lieber im Museum anschauen möchte, hat dazu jetzt die Gelegenheit. Die Ausstellung „Sneaker. Design für schnelle Füße“ zeigt rund 250 Exponate, darunter 120 Paar Schuhe, Designmodelle und Schuhe berühmter Sportler, Performance-Modelle und Plakate für die Generation Sportschuh. Die Schau ist noch bis zum 28. August im Museum am Hauptbahnhof zu sehen.

bis 28. August, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz. Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre frei
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige