Sommer-Interview mit SPD-Fraktionschef

Anzeige
Arik Willner leitet die SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Foto: fbt

Arik Willner ist Chef der SPD in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte

Von Frank Berno Timm
City/Hamm
Arik Willner ist Fraktionschef der SPD in der Bezirksversammlung Mitte. Das Hamburger Wochenblatt traf ihn zum Interview.

Wochenblatt: Herr Willner, wenn man die Arbeit der Bezirksversammlung und der Regionalausschüsse beobachtet, fällt immer wieder auf, dass die Beschlüsse nicht oder nur sehr zeitversetzt verwirklicht werden. Woran liegt das?
Arik Willner: Wir haben die Verpflichtung vom Hamburger Senat, in den nächsten Jahren weiter Personal abzubauen – einerseits. Andererseits müssen wir aufstocken, gerade im Wohnungsbau. Sie dürfen davon ausgehen, dass wir unsere Regionalbereiche genau im Blick haben – wir müssen aber Prioritäten setzen.

WB: Wie viel Personal müssen Sie abbauen?
Willner: Exakte Zahlen kann ich nicht hier nicht nennen. Wir haben aber viel Verantwortung dazu bekommen. Die neuen Stellen werden befristet sein. Wir unterstützen unseren Bezirksamtsleiter in seinen Verhandlungen mit dem Senat, hier die beste Lösung herauszuholen. Nirgendwo wird nicht anerkannt, was wir leisten – wir liefern, gerade im Wohnungsbau, gute Zahlen.

WB: Wann wird es zu konkreten Ergebnissen kommen?
WILLNER: Im Moment sind gerade Haushaltsverhandlungen. Geld ist nicht das Problem, aber – wie gesagt – die Personalzahlen. Wir müssen jede Einstellung genehmigt bekommen. Bis November wird das konkret.

WB: Der Senat entscheidet also, was im Bezirk passiert?
Willner: Wir haben keine Finanz- und keine Personalhoheit. Wir wissen, dass es in den Kundenzentren sehr knapp aussieht. Durch den „Vertrag für Hamburg“, mit dem der Bezirk Mitte jährlich 1.400 neue Wohnungen schaffen muss, brauchen Sie ebenfalls neue Leute – andererseits soll der Bezirk Personal einsparen… Natürlich muss das Problem in den Kundenzentren schnell gelöst werden. Auch beim Wohnungsbau gehe ich davon aus, dass wir Stellen genehmigt bekommen. In Sachen Kundenzentren werden wir schnelle Ergebnisse haben – das Thema ist beim Senat gut aufgehoben.

WB: Hamburg hat sich stark mit der Unterbringung von Flüchtlingen auseinander gesetzt. Es kam zu Unstimmigkeiten über die Größe der Einrichtungen. Hat diese Debatte Hamburg verändert?
Willner: Nicht verändert, aber es ist eine Spannung sichtbar geworden: Wie
können wir unseren verpflichtenden Aufgaben der Unterbringung nachkommen,
ohne die Hamburger leiden zu lassen? Wir haben, gerade hier im Bezirk Mitte,
sehr viel Zeit in diese Frage investiert. Wir werden uns in den nächsten Monaten sehr darum kümmern, wie es um die Sauberkeit in den Stadtteilen bestellt ist, wo es Defizite in der Infrastruktur gibt und wie es um die Seniorenarbeit steht. Dabei geht es ja nicht darum, ob der einzelne Papierkorb regelmäßig geleert wird – was nach unserer Beobachtung vielfach nicht zufriedenstellend passiert – da wird jetzt
Geld in die Hand genommen. Wir gucken in die Stadtteile, wir bemühen uns um individuelle Lösungen, um die scheinbaren Kleinigkeiten. Dabei wird uns zugutekommen, dass wir in den Stadt-teilen gut vernetzt sind. Anfang September gehen wir mit unserer Fraktion in Klausur und werden das genauer ausarbeiten.

WB: Was ärgert Sie politisch?
Willner: Die vielen Reibungsverluste, wenn es um Zuständigkeiten geht! Das nervt mich, und da müssen wir besser werden: Wie können wir die Behörden, die ja auch in unserer Verantwortung stehen, besser untereinander vernetzen? Ansonsten macht es wirklich Spaß und ich bin heilfroh, in einer Demokratie zu leben. Gerade die Reibungsverluste ermöglichen ja auch, eine Sache gründlich zu prüfen – in der Türkei ist es das Gegenteil. Wir haben hier ganz bewusst verschiedene Ebenen in verschiedenen Rollen.

WB: Fallen durch die Gewalttaten der letzten Wochen Tabus in unserer Gesellschaft
Willner: Die Gefahr besteht. Wenn man Freiheit will, ist man angreifbar. Wir Sozialdemokraten sind für den schwierigen Weg und haben Übung darin. Fest steht: Wir wollen eine tolerante Stadt bleiben! Man darf sich aber auch nicht wegducken, wenn solche Sachen passieren.

Info:
Arik Willner ist 34 Jahre alt und lebt in Hamm, er gehört seit 2011 der Bezirksversammlung an und trat 2004 in die SPD ein. Der promovierte Physiker ist technischer Direktor. Willner ist verheiratet und hat keine Kinder.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige