Tintenhaut

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Die Körper-Kunst ist im Museum für Kunst und Gewerbe auch auf großformatigen Fotos zu bewundern Foto: Michaela Hille
 
Ein Kunstwerk von Saira Hunjan Foto: Tareq Kubaisi © Saira Hunjan

Das Museum für Kunst und Gewerbe zeigt Tattoo-Kunst als kulturhistorisches Phänomen

City Bunte Drachen, wilde Muster, Blumen, Anker oder auch die Gesichter der eigenen Ahnen – die Welt der Tattoos ist vielfältig und doch für alle, die vor 1980 geboren sind, etwas fremd oder sogar anrüchig. Es gibt vermutlich auch heute nur wenige Eltern in Europa, die echte Begeisterung für das Modeaccessoire aufbringen können, schwingt doch mit der harmlosen, aber eben doch sehr haltbaren Rose am Oberarm immer die noch in der eigenen Jugend klar definierte Stigmatisierung als gesellschaftlicher „Underdog“ mit. Immerhin trugen früher hauptsächlich Mitglieder von Rockerbanden, Verbrecher, Prostituierte oder Seeleute Tätowierungen. Gerade das gab dem Hype ums Tattoo in der Anfangsphase ja den besonderen Reiz und auch wenn heute die ersten Trendsetter ihre inzwischen zum Massenphänomen gewordenen Hautbilder wieder aufwändig entfernen lassen, das Tattoo behält seinen subversiven Charakter – und das sogar als Ausstellungsstück im Museum.
„Für uns ist das Tattoo ein spannendes Thema“, erklärt die Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe, Sabine Schulze, „ich freue mich auf ein sicherlich sehr ungewöhnliches Publikum.“ Die Tätowierung interessiert die Ausstellungsmacher in mehrfacher Hinsicht: als Modephänomen, aber auch als kunsthandwerkliche und kulturgeschichtliche Tradition. Die Grenzen zur Kunst sind fließend, die Bilder auf der „menschlichen Leinwand“ haben eine ganz eigene Ästhetik. Der Gründer des Museums für Kunst und Gewerbe, Justus Brinckmann (1843-1915), nannte die Körperbilder „wandelnde Gemälde“, er hatte sich intensiv mit japanischen Tätowierungen beschäftigt, eine Traditionslinie, die das Museum jetzt auch in der aktuellen Ausstellung aufgreift. Das Tattoo als kulturhistorisches Phänomen, zu sehen zum Beispiel auf Fotos von Südsee-Insulanern, und als Szene-Accessoire – die ganze Vielfalt des Themas zeigt das Museum am Steintorplatz in 250 Exponaten aus dem späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, darunter Fotografien, Farbholzschnitte, Gemälde und Skulpturen, Videoarbeiten und Audioinstallationen. Der Ausstellungsbesucher bekommt darüber hinaus Einblick in die Technik: Vorlageschablonen, Tätowiergeräte von einfachen Naturwerkzeugen bis zu filigranen Präzisionsmaschinen, dazu Farben und Pigmente. Die Schau gibt ein umfangreiches Bild über die Kulturtechnik des Tattoos, „wir wollen auch Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich zu informieren“, sagt Projektleiter Dennis Conrad vom Museum für Kunst und Gewerbe. Hamburger Tattoo-Künstler und Tätowierer aus der internationalen Szene geben Einblick in ihre Arbeit. Zahlreiche Workshops rund um das Thema „Tattoo“ runden die Ausstellung ab. (sh)

Noch bis 6. September, Di-So 10-18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz 1. Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, bis unter 18 Jahre frei. Sonntag, 3. Mai, Sonntag 7. Juni, jeweils 14 bis 16 Uhr: Ein Illustrator fertigt temporäre Tattoos. Weitere Infos: Museum für Kunst und Gewerbe

Info:
Vom Besucher zum Tattoo-Artist. Wer selbst versuchen möchte, ein Tattoo zu entwerfen, findet in der Ausstellung Papier und Stifte. An jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 14 und 16 Uhr verwandelt ein Illustrator die Zeichnungen der Besucher in temporäre Tattoos. In einem Ferienworkshop können Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren Wandtattoos herstellen. In dem Kurs erfahren die Teilnehmer alles über unterschiedliche Motive, Stile und Bedeutungen von Tätowierungen weltweit und lassen sich durch die Ausstellung zu eigenen Bildern inspirieren. (sh)
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