Tod, Trauer, Trennung

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Jeder bewältigt das Schicksal auf seine Weise: Nina Petri und Nicki von Tempelhoff in dem Drama Foto: Fantitsch

Ernst-Deutsch-Theater: Psychodrama um ein Paar, das seinen Sohn verloren hat

Uhlenhorst „Wir sind ein Mann und eine Frau, die ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann einander“, fasst Er das traurige Schicksal des Paares zusammen. Davon handelt das Stück „Gift. Eine Ehegeschichte“ Lot Vekemans, das kürzlich im Ernst Deutsch Theater Premiere hatte.
Sie treffen sich zehn Jahre nach ihrer Trennung auf dem Friedhof, auf dem ihr Kind begraben liegt, das bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Der Friedhof soll umgebettet werden, so hat Sie Ihm geschrieben, weil Gift im Erdreich gefunden wurde.
Diese Nachricht entpuppt sich später als Vorwand für ein Treffen mit Ihm. Vergiftet ist nicht der Untergrund des Friedhofs, sondern das Verhältnis zwischen den beiden Ex-Ehepartnern. Vergiftet durch des größtmögliche Unglück, das eine Ehe zerstören kann: durch den Tod eines gemeinsamen Kindes. Verhalten und unsicher versuchen die beiden, die sich seit zehn Jahren, seitdem Er Sie am Silvesterabend 1999 verlassen hatte, nicht mehr gesehen haben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Sie trauert immer noch wie am Todestag ihres Sohnes. Er hat einen „Schnitt“ gemacht, ist neu verheiratet. Seine Frau erwartet ein Kind.
Schon bald ist man sich so nahe wie früher. Es wird auf- und abgerechnet. Sie empfindet sich als die intensiver Trauernde. Er wirbt dafür, den Blick nach vorn, in ein neues Leben zu richten. Ein Psychospiel beginnt. Die unterschiedlichen Empfindungen und Positionen führen zu Verstörungen, Verletzungen und Gefühlsausbrüchen. Sie versucht auch eine vorsichtige Wiederannäherung an den Ex-Mann, ist geschockt, als sie von seiner neuen Heirat erfährt. Für ihn steht fest: ein Zurück zu Ihr gibt es nicht mehr. Er geht. Das Treffen scheint ergebnislos zu enden. Doch Er kommt zurück. Der zweite Teil gestaltet sich versöhnlicher. Am Ende steht Akzeptanz: „It must be So“.

Am Ende steht Akzeptanz


Nina Petri und Nicki von Tempelhoff spielen und sprechen den hervorragenden, weil stimmigen Text von Lot Vekemans in der Regie von Wolfgang Stockmann genau richtig in dem dazu passenden, auf einen Pavillon mit einem gebrochenen Dach und zwei Bänke reduzierten Bühnenbild von Peter Schmidt: Käfig und Freiraum zugleich. Eine rundum gelungene Inszenierung. (ch)

„Gift. Eine Ehegeschichte“, bis zum 15. Februar im Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, Karten unter 22 70 14 20 und tickets@ernst-deutsch-theater.de
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