Verdi-Klassiker im Ernst Deutsch Theater

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Amelia (Aline Lettow) hat sich in Riccardo (Richard Neugebauer) verliebt. Die italienisch gesungenen Texte wurden umgangssprachlich ins Deutsche übersetzt Foto: Inken Rahardt
 
Wo sind die Kandidaten? Ulrica (Soomi Hong, l.) und Oscar (Anne-Fleur Werner) suchen Teilnehmer für ihre Fernsehshow Foto: Silke Heyer

„Ein Maskenball“ läuft in Koproduktion mit dem Opernloft in Hamburg

Uhlenhorst Gelungene Oper im Ernst Deutsch Theater: Starkes Personal spielt und singt einen Verdi-Klassiker als heutige Fernsehshow. Das Opernloft, derzeit ohne eigene Spielstätte, durfte die erste Inszenierung der neuen Saison im Ernst Deutsch Theater bestreiten. „Ein Maskenball“ von Guiseppe Verdi stand auf dem Programm. Inken Rahardt, die Intendantin des Opernlofts, die inszenierte, hatte den Klassiker getreu dem Konzept ihrer Bühne auf 90 Minuten gekürzt und dem dramatischen Geschehen aus dem 19. Jahrhundert eine heutige Bedeutung gegeben. Dazu mussten Handlung und Personen ein wenig umgebaut werden. Die deutschen Interpretationen von einigen der italienisch gesungenen Arien, die auf Bühnenwänden zu lesen waren, erhielten einen heutigen Sprachduktus. Der Maskenball verwandelt sich in eine Fernsehshow, in der Oscar und Ulrica, im Original Page und Wahrsagerin, den Kandidaten das große Glück versprechen. Sie geben die Moderatoren, die die Kandidaten zur Freude des Publikums der Lächerlichkeit preisgeben. Kostümiert als Funkenmariechen (Oskar) beziehungsweise Pierrot (Ulrica) gehen sie mit Taschenlampen auf Kandidatensuche: „Wir suchen dich, Du bist ein Star.“ Den Maskenball des 19. Jahrhunderts sieht Dramaturgin Susann Oberacker „als Symbol des Vergnügens fernab des Alltags“. So wie man damals hinter Masken versteckt das große Glück suchte, suchen es heute die Kandidaten der diversen Fernsehshows.

The Show must go on


Die drei in Liebeshändel verwickelten Personen sind hier die Teilnehmer der Show, die zu Beginn im Publikum sitzen. Amelia, in der Opernloft-Version als „kecke Kosmetikerin“ charakterisiert, die Frau von Renato, dem „urigen Urologen“, verliebt sich in Riccardo, den „markanten Makler“, der sie heißblütig begehrt und sich gockelich als unwiderstehlicher Lover rühmt. Renato schwört finstere Rache, weshalb er im Cowboy-Outfit auftreten darf. All diese Gefühlsausbrüche ereignen sich während der Show. Oskar und Ulrica helfen mit Hypnose kräftig mit. Aus Spiel wird bitterer Ernst. Als Oskar und Ulrica den Ernst ihrer Lage erkennen, und krampfhaft alles zum großen Vergnügen erklären, die Kandidaten mit Lametta überschütten, tun sich Amelia, Riccardo und Renato, die ihr Leben als zerstört begreifen, zusammen und wenden sich gegen die Moderatoren. Die Show nimmt offenbar ein tödliches Ende. Doch: The Show must go on...
Die überaus unterhaltsame und intelligente Inszenierung des Opernlofts wird durch die punktgenauen Schauspiel- und Sangeskünste der Darsteller vollends zum Vergnügen. Anne-Fleur Werner und Soomi Hong wissen als Oscar und Ulrica mit Witz, Ideenreichtum und sprühendem Temperament zu begeistern. Aline Lettow verbreitet mit ihren Arien der Amelia großes Opernflair, und die beiden Sänger Richard Neugebauer (Riccardo) und Axel Wolloscheck (Renato) wissen mit Stimmen und Spiel ebenfalls zu überzeugen. Das Publikum darf sich in der Pause in das Volksvergnügen miteinfügen. Zu kräftiger Musik wurde bei der Premiere „Polonäse nach Blankenese“ durchs Foyer getanzt. (ch)

„Ein Maskenball“ ist bis 24. September, im Ernst-Deutsch-Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, zu sehen. Karten unter Telefon 22 70 14 20. Weitere Infos: Ernst-Deutsch-Theater
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