Wenn der Verdi mit dem Schiller

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Am gesellschaftlichen Umfeld gescheitert: Die Liebe zwischen Luisa (Nino Macha-idze) und Rodolfo (Ivan Magri) Foto: Monika Rittershau

„Luisa Miller“ in der Staatsoper

City Ein Kammerspiel in der Hamburgischen Staatsoper. Auf der ganzen Breite der Bühne. Andreas Homoki hat Guiseppe Verdis (wenig gespieltes) Werk „Luisa Miller“ nach Schillers Drama „Kabale und Liebe“ in einer Abfolge von kaum möblierten Räumen spielen lassen, die wie ein Comic-Strip vorbeiziehen. Während in dem einen Zimmer, das langsam, verschwindet, noch gesungen wird, erscheint bereits das nächste mit der folgenden Szene.
Dieses in seiner Einfachheit geniale Bühnenbild von Paul Zoller drückt förmlich auf die in Liebe und Intrige unlösbar verwickelten Personen, die in den Zimmern wie eingepfercht wirken. Die wuchtige, aber nie überdimensionierte Musik Verdis tut ein Übriges, um die ganze Tragödie der Bürgerstochter Luisa Miller und ihres Geliebten Rodolfo aus adeligem Hause zur Geltung zu bringen. Diese Beziehung darf nicht sein.
Rodolfos Vater Graf Walter hat eine standesgemäße Braut für seinen Sohn vorgesehen. Mittels eines gefälschten Briefes und einer erpressten Unterschrift wird Luisa zum Verzicht auf Rodolfo gezwungen. Des Grafen Sekretär Wurm scheint am Ziele seiner Wünsche angekommen zu sein - auch er liebt Luisa.
Übergroße Gemälde in jedem Zimmer geben die Stimmung der jeweiligen Szene wieder. Der Chor besteht, anders als bei Verdi, nur aus höfischem Personal, der das Geschehen mal verblüfft, mal überheblich kommentiert.
Einer der Regieeinfälle, mit denen Homoki die Schillersche Intention, die Liebe an den gesellschaftlichen Gegensätzen zwischen Adel und Bürgertum scheitern zu lassen, verdeutlicht. Verdi hatte sich unter dem Druck der Zensur im damaligen Königreich Neapel ganz auf das „private“ Liebesverhältnis konzentrieren müssen. Mit einfachen Mitteln legt Homoki den Fokus auf die ursprüngliche Intention der Schiller’schen Geschichte. Es bleibt die Verdi‘sche Lovestory, aber mit deutlichen Hinweisen auf das gesellschaftliche Umfeld. Am Ende wird eine Guillotine sichtbar, auf der der betrügerische Graf Walter enden wird - die Geschichte spielt kurz vor der französischen Revolution. Herausragende Sängerinnen und Sänger wie Nino Machaidze (Luisa), George Petean Luisas Vater) und Ivan Magri (Rodolfo) veredeln Homokis Inszenierung zu einem Höhepunkt der Saison. (ch)
30. November (15 Uhr) sowie 4. und 9. Dezember (19.30 Uhr), Karten für 5 bis 87 Euro unter 35 68 68
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