Wunderbare Alltagsdinge

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Ordentlich aufgereiht liegen Clivios Schätze in den Vitrinen des Museums und zeigen sich von ihrer schönsten Seite Foto: sh

„No Name Design“: Produktgestalter Franco Clivio stellt im Museum für Kunst und Gewerbe aus

Von Stefanie Hörmann
City
„Ich sammle seit ich Hosentaschen habe“, sagt der Schweizer Produktgestalter und Dozent Franco Clivio. Seine Liebe gehört jedoch nicht etwa Briefmarken, Büchern oder Münzen – Clivio sammelt Alltagsgegenstände, die sich in den Augen des Experten im Hinblick auf ihre raffinierte Gestaltung und Funktionalität auszeichnen. Rund 1.000 dieser kleinen Objekte aus seiner Sammlung zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe in einer Ausstellung. Hübsch aufgereiht liegen in langen Vitrinen Pinsel neben Scheren, Klappmesser neben Salatbesteck und auch Bürsten, Brillen und Staubwedel reihen sich in die Parade der nützlichen Dinge ein und zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Ganz besonders schick: Ein Plattenspieler, der zusammengelegt in eine Dose passt. Auch er ist Teil der Ausstellung „No Name Design“, die wie eine Wunderkammer der Produktgestaltung Gebrauchsgegenstände in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt, die sonst im Alltag kaum beachtet werden, denn wer hätte schon einmal das Design seines Hammers bewundert? Im Museum für Kunst und Gewerbe wetteifern Scheren und Brummkreisel mit Rasierpinseln um die Gunst des Betrachters – und der ist erstaunt, wie viel Schönheit doch oft im Detail steckt, Schönheit, an der man sonst achtlos vorübergeht. „Die Leute sagen immer, man soll morgens um 7 Uhr auf den Flohmarkt gehen, da findet man die besten Sachen“, sagt der Sammler Franco Clivio, „das mache ich nie, ich komme erst nachmittags, das, was ich kaufe, ist dann immer noch da, das kauft eh keiner außer mir.“ In seinem Berufsleben entwirft der Produktgestalter nützliche Objekte, die oft in hohen Stückzahlen hergestellt werden, wie zum Beispiel sein Gartengeräte-Programm von Gardena. Für Lamy hat Franco Clivio ausgeklügelte Schreibgeräte entworfen, die weltweit verkauft werden. Doch die Faszination Design lässt ihn auch in seiner Freizeit nicht los. Über einen kleinen Alltagsgegenstand von besonderer Raffinesse kann er sich freuen wie ein Schneekönig, erläutert begeistert seine Funktion. Wenn Clivio über Design spricht, sprühen seine Augen Funken, der Mann lebt seine Leidenschaft – und er kann andere damit anstecken. Fasziniert von der Schönheit der Dinge verlässt der Besucher das Museum und beschließt, in Zukunft etwas aufmerksamer mit seinem Föhn, seiner Zange oder dem Schraubenzieher umzugehen, denn schließlich sind sie doch allesamt kleine Wunderwerke der Technik. Eine Ausstellung wie eine Liebeserklärung an die unscheinbaren Dinge, die unseren Alltag erleichtern.

No Name Design: bis 3. April, Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr, Donnerstag: bis 21 Uhr, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Jugendliche bis 17 Jahre frei
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