50.000 Stimmen für die Ärmsten der Stadt - Ergebnis der Petition

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Wohncontainer auf dem Kirchengelände der Gemeinde St. Peter im Hamburger Stadtteil Großborstel (Foto: Max Bryan)
 
Ende des Winternotprogramms. Jedes Jahr im Frühjahr werden die im November aufgestellten Wohncontainer wieder abgeholt. (Foto: Max Bryan)
 
Obdachlose an den Hamburger Landungsbrücken im Frühjahr 2014. (Foto: Max Bryan)
 
Klaus - 27 Jahre "Platte" und kein Ende ...
 
U2 Hamburger Hauptbahnhof (Foto: Archiv)
Jedes Jahr im Frühling bauen auch die Hamburger Kirchengemeinden ihre im November aufgestellten Container wieder ab. Sie boten den Obdachlosen der Stadt einen Erfrierungsschutz - ein limitiertes Angebot um den Winter zu überstehen. Ist der Winter vorbei, endet auch die Unterbringung in eben diesen Wohncontainern, die für viele auch ein Sprungbrett sind.

Ich selbst habe 6 Wochen in einem solchen Container gelebt - damals 2010 - in St. Peter, die liebsten Menschen traf ich dort, sehr bemüht auch ihre Insassen weiterzuvermitteln. Fast täglich kam ein neuer Sozialarbeiter - einer von 10 - die sich die Schichten teilen und versuchen Anschluss zu finden, für die Zeit danach. Doch das klappt nicht immer. In meinem Fall hatte ich kein Glück - aber eine Hoffnung und die starb (bekanntlich) nie.

--> https://web.facebook.com/notes/max-bryan/chronik-2...

Liste der Angebote

5 Jahre später bin ich selbst einer dieser Helfer und habe eine ganze Liste von Angeboten zusammengestellt, wo Hamburger Obdachlose Hilfe finden, hier ein Link dazu -->
https://web.facebook.com/groups/570684656428527/pe...

Problem: Alle diese Angebote sind ohne Hilfe vom Staat nicht nutzbar. Wer in einem der Heime unterkommen will, braucht eine Zuweisung von der jeweils zuständigen Fachstelle für Wohnungsnotfälle und die gibt es nur, wenn das Sozialamt "mitspielt" - sprich - die Zeche für das Zimmer zahlt. Es gibt also kaum bis keine Obdachlosenheime, die für Dauer ein Zimmer völlig selbstlos und unabhängig vom Staat anbieten und wer keinen Anspruch auf Sozialhilfe hat, muss draußen bleiben.

Nicht für EU Bürger

Es gibt hunderte von EU-Bürgern aus Polen - zum Beispiel - die hier in Hamburg ihr Glück versuchen - arbeiten wollen und keine Unterkunft haben. Sie haben auch keinerlei Ansprüche auf Sozialleistungen, wenn irgendwas schief geht, sie krank oder arbeitsunfähig werden, sie haben nicht mal Anspruch auf eine menschenwürdige Unterbringung, wie jeder Flüchtling aus Übersee das sonst hat. Es ist ein immerwährendes Dilemma, dass Menschen in einem so reichen Land unter menschenunwürdigen Bedingungen auf der Straße hausen, nur weil die Politik nicht in der Lage ist, für alle Bedürftigen gleichermaßen zu sorgen.

Was läuft schief?

Im Januar startete Hinz & Kunzt eine Unterschriftenaktion um die Forderung nach einer ganztägigen Öffnung des Winternotprogramms durchzusetzen, doch die Petition scheiterte. Mehr als 50.000 Stimmen konnten das Herz der Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) nicht erweichen. Sie hielt stur fest an ihrer bisherigen Gangart - keine Öffnung der Unterbringungsstellen auch tagsüber - die Leute sollen ihren "Belangen nachgehen" und "in Bewegung bleiben" - heißt es unter vorgehaltener Hand. Eine offizielle Stellungnahme gab es erstmal nicht.

--> https://web.facebook.com/notes/max-bryan/50000-sti...

Provisorische Krankenstation PikAs

Wer krank sei, könne sich ja im PikAs in einer dort improvisierten Krankenstation unterbringen lassen - hieß es dann doch noch vorschlagsweise und als Ersatz für die tagsüber geschlossene Unterbringung des Winternotprogramms. Das bedeutet, wer krank ist, muss pendeln von der Innenstadt (Nahe Hauptbahnhof) in die Neustädter Strasse und dort im PikAs "festmachen".

Die Aufnahme der Obdachlosen im Pik As ist zunächst an keine Bedingungen geknüpft. Der Aufenthalt und die Kosten werden von den Fachstellen für Wohnungslose jeweils befristet bewilligt. Nachteil: 12 Bettzimmer in 1. Instanz (als "Notgast"). Danach hat der Obdachlose zwei Wochen Zeit um Behördengänge zu erledigen (Leistungsanspruch abzuklären). Wenn dann weder das Arbeitsamt noch das Sozialamt etwas zahlt, weil keine Ansprüche bestehen, folgt auch im PikAs nach spätestens zwei Wochen der Rauswurf, nebst zweijähriger Sperre. Binnen der nächsten 2 Jahre ist eine erneute Aufnahme für weitere 14 Tage also nicht möglich, denn die Namen der Hilfesuchenden werden auf Karteikarten registriert.

Rauswurf nach 2 Wochen

Ich will mehr über das Prozedere der Unterbringung in einem solchen Heim erfahren und rufe an. Am Telefon ein netter Herr, der mir bereitwillig Auskunft erteilt. Er bestätigt die Gangart - dass eine dauerhafte Bleibe im PikAs nur mit Zuweisung vom Sozialamt zu bekommen ist, wobei aber auch Leute aus dem Winternotprogramm, die krank sind, im PikAs vorübergehend eine Bleibe finden - auch ohne Zuweisung vom Sozialamt. In solchen Fällen genüge eine Bescheinigung der Betreuer des Winternotprogramms aus der Spaldingstrasse oder Münzstrasse. Mit einem Zettel von denen darf man also auch tagsüber im PikAs bleiben, soweit die kleine Errungenschaft der Unterschriftenaktion vom Januar diesen Jahres, die am eigentlichen Problem der Unterbringung von Obdachlosen aber leider gar nichts ändert. Denn wer nicht gerade totkrank ist und kein Anspruch auf eines der Krankenbetten im PikAs hat, muss täglich vor die Tür und schon das ist eine Schande.

Klage vor dem Verwaltungsgericht

Die Unterbringung obdachloser Menschen sollte nicht an irgendeinen Leistungsanspruch gekoppelt sein. Die Unterbringung erfolge nach dem "Sicherungs - und Ordnungsgesetz" - erklärt ein Insider und wenn man sich dieses Gesetz dann auch mal "näher anschaut", dann könnte das durchaus bedeuten, dass jeder hilfesuchende Mensch - gleich welcher Herkunft, perse das Recht auf Unterbringung hat. Und das auch egal, ob er nun einen Leistungsanspruch hat oder nicht. Solange die Obdachlosigkeit bestehe, habe er "das Recht untergebracht zu werden", so der Szenekenner und dieses Recht sei vor dem Verwaltungsgericht auch "einklagbar". "Das wäre dann eine Notfall-Entscheidung". Der oder die Betreffende könnte sich also morgens einfach mal vor DAS Verwaltungsgericht stellen und bekäme - seiner Erfahrung nach - einen Rechtspfleger zur Seite gestellt, der alles weitere mit ihm dann formuliert und meist gäbe es dann "am selben Tag noch einen Richterspruch", teilt der Sozialarbeiter mit - der namentlich hier nicht genannt werden will.

Unterbringungspflicht

Da könnte was dran sein. Denn auffällig ist zumindest, dass es sehr wohl eine zumindest vorübergehende Unterbringungspflicht für Flüchtlinge aller Herren Länder gibt, was dann doch auch für EU-Bürger gelten müsse, oder etwa nicht?

Der Frage sind auch die Kollegen von Hinz & Kunzt nachgegangen. Deren Bericht zu Folge, sei die Stadt verpflichtet, "jedem Wohnungslosen so zu helfen, wie es seinem Bedarf entspricht" - zumindest gelte dies bei einem schon "verfestigten Aufenthalt" in der jeweiligen Stadt und der könne bereits nach wenigen Monaten eintreten. Das Bundessozialgericht befand hierzu, dass auch Zuwanderer aus EU-Ländern nach spätestens 6 Monaten Aufenthalt in Deutschland einen Anspruch auf Unterbringung und Verpflegung hätten, denn die Menschenwürde stehe über den Belangen politischer Kompetenz.

http://www.hinzundkunzt.de/winternotprogramm-und-d...

In jedem Fall sei die Stadt verpflichtet zu prüfen, ob der Betroffene Ansprüche hat oder nicht. Dazu bedarf es allerdings auch einer gewissen Mitwirkung - das bedeutet - die Betroffenen müssen die Wege auch gehen und nicht jeder kann das (mehr).

Hilfe abgelehnt?

Eines der beliebtesten Argumente sogenannter "Aussenstehender" sind Sätzen wie: "Der will ja gar keine Hilfe" und weil es ja immer gut dokumentierte Fälle gibt, in denen Obdachlose die ihnen angebotene Hilfe ablehnen. So erfror erst im Januar Obdachloser mitten in Berlin auf dem berühmten "Kudamm". Passanten wollen ihm Hilfe angeboten haben - doch der Obdachlose wollte nicht. Vorschnell wird geurteilt - er sei ja selbst dran schuld, dabei wird regelmäßig die Ursache dieser Ablehnung unterschlagen.

Ganz oft ist es der verloren gegangene Glaube, dass eine Rückkehr in ein geregeltes Leben überhaupt gelingen kann. Schon das lässt viele aufgeben und den Mut verlieren, überhaupt an sich und ein besseres Leben zu glauben. Besonders bei Langzeit-Obdachlosen ist dies ein weit verbreitetes Phänomen. Es heißt: "Wer länger als ein Jahr auf der Straße lebt, bleibt auch dabei", sei es aus Angst vor der Umstellung oder anderen Gründen, die zuweilen sehr vielschichtig sind.

Beispiel Klaus

Klaus lehnt Hilfe vom Staat kategorisch ab. Er will nicht "Teil des Systems" sein. Schon 27 Jahre lebt er so und ich kenne auch noch einige mehr, die mit dem Staat nichts zu tun haben wollen. So jemanden dann für Dauer unterzubringen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, schon weil am Ende immer irgendwer die Hand aufhält und die angebotene Hilfe nicht wirklich selbstlos passiert. Es kaum bis keine Heime, die völlig selbstlos und unabhängig vom Staat Obdachlose für mehr als nur ein paar Tage unterbringen.

Bürgerinitiativen können helfen

Ein Heim für Obdachlose - gleich welcher Herkunft - egal ob Leistungsanspruch oder nicht - finanziert nur aus den Spenden der Unterstützer - das wäre mal eine echte Selbstlosigkeit in diesem Land. Gibt es nicht?

Gibt es doch! Ich selbst bin Mitglied einer solchen Gruppe, die einen Hamburger Obdachlosen nun schon mehrere Monate lang in einem Hotel untergebracht hat - und das nur Dank der Spenden engagierter Bürger, die nicht länger zusehen wollen, wie Menschen auf so unwürdige Weise ihr Dasein auf der Straße fristen.

https://web.facebook.com/groups/570684656428527/pe...

Sieben Leben

"Rette ein Leben und du rettest die Welt" - sowas Schönes steht im Talmud und zumindest in einem Film rettet Hollywood-Ikone Will Smith gleich 7 Leben - so auch der gleichnamige Titel des Films ("Sieben Leben"), den ich - weil kein Kinogänger - erst jetzt im Fernsehen sah und auch, wenn der Film streckenweise sehr episch wirkt, kommt er nach hinten raus doch mit einer solchen Wucht, dass kaum ein Auge trocken bleibt, es sei denn, man hat ein Herz aus Stein.

Die Geschichte in Kurzfassung: Tim Thomas ist ein schlauer Kopf. Studiert am M.I.T lebt der wohlhabende Ingenieur mit seiner Familie in einem Strandhaus am Meer. Nachdem er seiner Freundin einen Heiratsantrag gemacht hatte, verursacht er jedoch einen schweren Autounfall, bei dem 7 Menschen sterben, darunter auch seine Freundin, die er sehr geliebt hat.

Tim plagen seither Schuldgefühle und er will etwas tun um seine Schuld zu begleichen. Er beschließt 7 Leben zu retten, so viele , wie er auch genommen hat und keiner der Auserwählten ahnt auch nur das Geringste. Selbst der Zuschauer, wird bis zum Schluss im Dunkeln gelassen und ist in die Pläne des Tim Thomas nicht eingeweiht. Erst ganz zum Schluss wird klar, was Tim im Einzelnen vor hat und warum er sich so einen riesigen Fisch mit ins Hotel holte. Tim hat beschlossen, sich das Leben zu nehmen und per Anwalt verfügt, dass 7 Menschen, denen das Leben übel mitgespielt hat, von seinem Tod profitieren.

So beispielsweise eine Frau, die ihr Leben lang misshandelt wurde. Sie bekommt sein Haus am Meer. Oder ein Blinder, der Zeit seines Lebens die Schönheit dieser Welt gar nicht begreifen konnte, ihm spendete Tim seine Netzhaut, so dass der Blinde wieder sehen konnte. Auch für seine linke Niere, sein Knochenmark und die rechte Hälfte seiner Leber fanden sich dankbare Abnehmer, wie auch für sein Herz. Es schlug fortan in der Brust einer Frau, in die er sich zuvor noch verliebt hatte und die ein solches Spenderorgan dringend benötigte. Ihnen allen hat Tim Thomas das Leben gerettet - OHNE dass sie davon wussten, welch großes Geschenk er ihnen machen würde (sie waren nicht eingeweiht).

"Geben Sie mir einen Namen - jemand der es wirklich schwer hatte im Leben - jemand der Hilfe braucht - aber zu stolz ist um Almosen anzunehmen" - fragte Tim eine Sozialarbeiterin, durch sie kam er an die Adressen dieser 7 Menschen, deren Leben er für immer veränderte. Wer etwas über Selbstlosigkeit erfahren möchte, sollte sich unbedingt diesen Film anschauen. Er hat die Kraft das Denken vieler Menschen zu verändern.

Liebe Freunde, in meinem ganzen Leben, habe ich noch nie einen Menschen erlebt, der auf so selbstlose Weise anderen Menschen hilft und ich weiß nicht, ob es irgendwo da draußen ein reales Pendant zu dieser Filmfigur gibt und ob irgendjemand im realen Leben den Mut aufbringen würde, so etwas zu tun. Ich wünsche mir nur, dass auf das Denken und Handeln derer, die im Stande sind zu helfen, auch nur ein Funke dieser Geschichte überspringt, schon das könnte die Welt - in der wir leben - verändern.

In diesem Sinne: "Die Welt ist ohne Seele, doch Ihr seid darin!"

Danke an Alle, die sich seit Jahren schon engagieren.


Max Bryan
27. April 2016

--> https://web.facebook.com/notes/max-bryan/-liebe-si...
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