Abschied vom Heim

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Anke Kawitsch fällt der Abschied von ihrem schönen sonnigen Balkon nicht leicht Foto: Grell

Witwenstift in der Alexanderstraße wird abgerissen

St. Georg Plötzlich abgerissen, verschwunden und neu bebaut – so sieht es auf den meisten Baustellen in Hamburg aus. Die Nachbarn trauern dann oft den alten Gebäuden nach und beklagen sich über den zu schnellen Abbruch. Auch das idyllisch gelegene Hartwig-Hesse Witwenstift in der Alexanderstraße wird jetzt abgerissen. Stattdessen soll ein innovatives neues Quartier entstehen. Doch noch kurz davor konnten sich Bewohner und Nachbarn jetzt bei einer großen Abrissparty von dem Gebäude verabschieden und die noch vorhandene Einrichtung als Erinnerung mitnehmen. Unter dem Motto „Alles muss raus“ wurden die Wohnungen geöffnet und jeder, der noch einmal durch das Haus streifen wollte, hatte die Gelegenheit dazu. Auch Anke Kawitsch kam zur letzten Party im Haus und erinnerte sich zurück an die schönen zehn Jahre, die sie hier verbracht hat. „Die Wohnungen sind zu eng und klein und nicht behindertengerecht ausgebaut“, so die Rentnerin. Zwar sei es schade, die Gebäude abzureißen, aber eine Sanierung hätte ihrer Meinung nach auch keinen Sinn gemacht. Gerade Senioren seien oft auf günstige Wohnungen angewiesen, denn „die Mieten sind hoch und die Renten niedrig“, bedauerte Anke Kawitsch. Aus der Lindenstraße sind Alfonso Tamayo und Elena Garcia zur Party vorbeigekommen und haben sich in den Wohnungen nach Brauchbarem umgesehen. Den Plastikblumenstrauß in der skurrilen Vase ließen sie dann aber doch zurück. Die beiden Spanier setzen lieber auf frische Sträuße. Das Foto aus alten Zeiten ließ Heino Jückstock, der in der Koppel im Viertel wohnt allerdings nicht hängen. „Ich versuche die Geschichte des Stadtteils festzuhalten“, betonte der St. Georger, der hier vor zehn Jahren seine Heimat gefunden hat. Auch ihm ist durch den letzten Streifzug im Gebäude bewusst geworden, dass hier eine Sanierung unmöglich gewesen wäre.
Nach 190 Jahren schließt die Hartwig-Hesse-Stiftung ihr Haus, das alte Denkmal wurde unter Applaus für die Zeit des Neubaus eingelagert und mit ein bisschen Wehmut auch von den Bewohnern selber die erste Wand symbolisch mit dem Hammer eingeschlagen. Anke Kawitsch konnte aus ihrer Wohnung nichts mehr an andere weiterreichen, denn bereits vor einem Jahr hat sie eine vorrübergehende Ersatzwohnung in der Koppel bezogen. Auch dort fühle sie sich sehr wohl, vermisse aber das gesellige Miteinander im Innenhof der Stiftung. Die Party zum Abriss und das letzte Miteinander hat es für viele der ehemaligen Bewohner aber ein Stück leichter gemacht. (kg)
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