Als in der Alten Post große Demokraten wirkten

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Zwei Hamburger Bürgermeister enhüllten die Gedenktafel für das Institut für Auswärtige Politik an der Alten Post: Klaus von Dohnanyi (l.) und Olaf Scholz Foto: Hanke

Gedenktafel erinnert an das Friedensforschungsinstitut

City Kaum jemand weiß es: Eines der ersten Friedensforschungsinstitute befand sich in Hamburg, das Institut für Auswärtige Politik im Gebäude der Alten Post in der Poststraße, Ecke Große Bleichen. Dort wirkten viele bedeutende Demokraten der Weimarer Republik, die vergebens versuchten, Deutschland vor Diktaturen und Kriegen zu bewahren. Wie der Institutsleiter Albrecht Mendelssohn Bartholdy, der Jurist Hans von Dohnanyi, der Journalist und Literat Theodor Haubach oder die erste habilitierte Juristin Magdalene Schorch.
An dieses Institut und seine Mitarbeiter erinnert jetzt eine Gedenktafel, die Peter Hess, der Organisator der Stolpersteine in Hamburg, gestiftet hat. Enthüllt wurde die Tafel kürzlich von zwei Hamburger Bürgermeistern, dem amtierenden Olaf Scholz und dem früheren Stadtchef Klaus von Dohnanyi, dessen Vater Hans hier wirkte. „Mendelssohn drückte diesem Institut den Stempel auf. Persönlichkeiten des Widerstands gegen das Nazi-Regime waren hier beschäftigt“, berichtete Olaf Scholz. „Es war eine herausragende Forschungseinrichtung, die eindrucksvoll das demokratische Weimar repräsentierte“, ergänzte Professor Dr. Rainer Nicolaysen, der Leiter der Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte und Vorsitzender des Vereins für Hamburgische Geschichte. Mendelssohn-Bartholdy, der Enkel des Komponisten Felix, konnte schon 1914 beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht in die Kriegsbegeisterung mit einfallen.

Gefahr vorausgesehen


Er amtierte als erster deutscher Richter am internationalen Schiedsgerichtshof in Den Haag. „Mendelssohn-Bartholdy und seine engsten Mitarbeiter sahen als liberale deutsche Patrioten die großen Gefahren voraus, die von der einseitigen Beschuldigung Deutschlands als angeblich alleiniger Verursacher des Ersten Weltkriegs ausgehen könnte“, so Klaus von Dohnanyi. Die Ursachen von Kriegen erforschte das 1923 gegründete Institut, um künftige bewaffnete Konflikte zu verhindern. 1933 wurde es von den Nazis übernommen und in sein Gegenteil verkehrt. Es wurde 1937 nach Berlin verlegt und diente dann den Interessen von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop zur Vorbereitung von Kriegen. Mendelssohn wurde 1934 zum Rücktritt gezwungen. Er starb zwei Jahre später. Dohnanyi und Haubach beteiligten sich am Widerstand gegen Hitler und wurden im April 1945 hingerichtet. (ch)
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