Alte Buchen wegen Neubau in Hamburg abgeholzt

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Großes Bild: So wie in diesem Entwurf soll der Neubau in der Finkenau aussehen.Kleines Foto: Von den 50 Jahre alten Buchen blieben nur noch StümpfeFoto/Repro: Schlichtmann

Anwohner in der Finkenau empört. Bezirksamt: Bäume waren nach ersten Baumaßnahmen vorgeschädigt

Hamburg. Die Arbeiter kamen im  Morgengrauen: Innerhalb weniger Stunden wurden vergangene Woche in der Finkenau vier rund 50 Jahre alte Buchen gefällt und entsorgt - nur noch die Baumstümpfe ragen jetzt einen halben Meter aus dem Boden. „Wie in einem Handstreich hat man wieder Fakten geschaffen, ohne die Anwohner zu informieren oder gar Rücksicht zu nehmen“, ärgert sich Lars Vieten, der direkt gegenüber dem Fußweg wohnt, an dem die rund zwölf Meter hohen Bäume standen. Von Baumfrevel spricht er und Willkür. „Wieder einmal“, sagt er. Denn in den vergangenen Jahren bereits hat er mit Wehmut die Rodungsarbeiten  auf dem ehemaligen Areal von „Pflegen und Wohnen“ - dem Pflegeheim Oberaltenallee - verfolgt. Viele Bäume, zum Teil über 100 Jahre alt,  mussten hier zwischen Finkenau, Eilenau und Richardstraße für das neue „Quartier Finkenau“ weichen. Insgesamt 650 Wohneinheiten sollen hier in den nächsten Jahren entstehen - elf Stadthäuser mit 78 Miet- und 74 Eigentumswohnungen sind im Rohbau bereits fast fertig. „Natürlich sind Wohnungen wichtig. Und natürlich kann man sich nicht für jeden Baum einsetzen“, erklärt Lars Vieten. Die jüngste Fäll-Aktion in der Finkenau allerdings hält er für völlig überzogen: „Die Straßenbäume machten einen gesunden Eindruck, sie standen auch nicht im Wege!“ Sein Mutmaßung: „Die mussten weg, weil sie im Sommer Schatten auf die teuren Komfort-Wohnungen im Neubau werfen!“ Vor zwei Jahren - im Rahmen der Aktion „Mein Baum - Meine Stadt“  - habe er noch Geld gespendet, damit neue Bäume in diesem Bereich gepflanzt werden.  

Vorgeschädigt

„Und nun ist genau das Gegenteil passiert“, ärgert er sich. „Die Bäume konnten leider nicht mehr erhalten werden, weil sie durch die Kampfmittelsondierung und den Bau der Tiefgarage vorgeschädigt waren“, erklärt Katja Glahn, Sprecherin des Bezirksamtes Nord, die Entscheidung. „Das Fällen war natürlich keine Willkür, sondern nach einem entsprechendes Baumgutachten erforderlich.“ Die gute Nachricht: Nach Abschluss der Baumaßnahmen sollen in diesem Bereich der Finkenau vier neue Straßenbäume gepflanzt werden.  (ks)
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