Angst um Wärmestube für Obdachlose

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Erika, Manuel und Felix (v.l.) betreuen ehrenamtlich die Menschen, die sich hier kurz aufhalten möchten Foto: Grell
 
In der Wärmestube kann man sich vom harten Alltag auf der Straße erholen Foto: Grell
Hamburg: Beim Strohhause 30 |

Will die Hamburger Caritas am Berliner Tor ein Büro einrichten? Diakon Kirsche kämpft für den Erhalt der Räumen Beim Strohause

Von Karen Grell
Hamburg-City
Obdachlose, die jeden Tag auf der Straße verbringen, haben oft längst vergessen, was es bedeutet, sich an einen Tisch zu setzen oder einfach einmal in Ruhe nachzudenken, ohne damit rechnen zu müssen, wieder einmal weggescheucht zu werden. „Obdachlose haben keine Lobby in Hamburg“, behauptet auch Diakon Henry Kirsche, der im Winter des vergangenen Jahres direkt am Berliner Tor, Beim Strohhause Nummer 30, eine Wärmestube eingerichtet hat, um dem Elend für die Wohnungslosen im Winter entgegenzuwirken. Spontan ist er an ein leer stehendes Ladenlokal gekommen und hat diesen Raum in eine warme Stube für bedürftige Menschen eingerichtet.

Schließung Ende Juni

„Es war kalt draußen, das Winternotprogramm endet am frühen Morgen und nimmt Wohnungslose erst wieder gegen Abend auf und da musste einfach etwas passieren“, so Kirsche, der viele Obdachlose in dieser Zeit in den Hauseingängen liegen sah, dort, wo es zumindest ein bisschen Schutz vor der Kälte gibt. Nun steht die Schließung für Ende Juni bevor, denn die Wärmestube in den Räumen einer Stiftung war nur bis zu diesem Zeitpunkt dort geduldet. Um dieses Aus zu verhindern, haben die ehrenamtlichen Helfer Unterschriften gesammelt und in nur wenigen Stunden schon über 300 Unterstützer zusammenbekommen.

80 Obdachlose kommen täglich

„Wir bräuchten dringend vom Bezirk eine Nutzungsänderung“, so Kirsche, der hier unbedingt das Angebot der Wärmestube aufrecht erhalten möchte. Täglich kommen bis zu 80 Menschen, um sich bei einem Kaffee aufzuwärmen, ein Brötchen zu essen, sich in der Sofaecke auszuruhen oder an einem Tisch zu sitzen und in Ruhe ihre Papiere zu sortieren. Alles das ist auf der Straße unmöglich. „Vor allem der direkte Zugang zu unserem Lokal von der Straße aus ist für die Obdachlosen wichtig“, meint Kirsche, der weiß, dass es auch diese Hemmschwelle gibt, um Hilfe überhaupt anzunehmen.

Spenden finanzieren Angebot

Was steht nun aber einer Weiterführung der Wärmestube überhaupt im Wege? „Es gibt Interessenten, die diese Räume mieten wollen, darunter die Caritas, die hier ein Büro einrichten möchte“, sagt Henry Kirsche, der die Miet- und Betriebskosten für die Räume bisher nur aus Spenden begleichen konnte. Wichtig ist ihm deshalb der Bescheid der Baubehörde für die neue Nutzungsverordnung, die dann den Weg für die Umsetzung eines sozialen Projektes ebnen würde. „Menschen bekommen hier auch ein Stück weit neue Hoffnung und merken, dass sie nicht allein dastehen“, betont Olaf Seidewitz, der das Projekt unterstützt.

Idealer Standort in Hamburg

Erika, Manuel und Felix fühlen sich hier in der Wärmestube so wohl, dass sie spontan entschieden haben, hier ehrenamtlich zu helfen und Menschen mit Tee und Kaffee zu versorgen und ihnen ein Stück Halt zu bieten. In Berlin gäbe es in jedem Stadtteil eine Wärmeküche, so Seidewitz, der sich für die Stube im Augenblick keinen geeigneteren Standort als den Beim Strohhause vorstellen kann. „Am Hauptbahnhof werden die Obdachlosen verdrängt und gehen dann einfach ein paar Schritte weiter Richtung Berliner Tor“. Die Wärmestube müsse daher unbedingt bleiben. Diakon Henry Kirsche hofft deshalb jetzt auf einen positiven Bescheid von Behörde und Vermieter.

Wärmestube, Beim Strohhause 30, Telefon 49 20 61 89
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