Auch die Thiede-Buchhandlung gibt auf

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Helene Thiede und Tochter Carmen blicken auf fast sechs Jahrzehnte in St. Georg zurück. Jetzt geben sie auf. Foto: Grell

Für kleine Läden wird es immer schwieriger, die Mieten aufzubringen

St. Georg. Über ein halbes Jahr lang zog sich der Kampf um die Wohlers Buchhandlung in der Langen Reihe hin. Dabei hatten die Wenigsten die Schilder in den Schaufenstern der Thiede-Buchhandlung bemerkt, die jetzt ebenfalls aufgibt. „3615,08 Euro Miete, das können wir nicht mehr erwirtschaften“, bedauert Carmen Thiede, Tochter des Ehepaares Thiede, den Untergang des Buchgeschäftes, das in zwei Jahren sein 60-jähriges Bestehen gefeiert hätte. Nur noch für die Ladenmiete arbeiten, Strom, Wasser und Gehälter noch dazu, das wollten weder Tochter Carmen noch ihre fast 80-jährige Mutter auf sich nehmen. Bei 60 Stunden Öffnungszeiten und 80 Arbeitsstunden in der Woche blieb Freizeit komplett auf der Strecke.
„Uns ist es viele Jahre lang gut gegangen, als die Zeiten noch andere waren, doch heute sind die Mieten hier einfach zu hoch“, bedauern Mutter und Tochter Thiede und „unser Geld geht an die falschen Leute.“ „Die Vermieter des Ladens gehören zu den reichsten Menschen in Deutschlands“ steht auf einem Schild, das die beiden Damen an die Tür des Geschäftes ausgehängt hatten. „Alle fragten uns, warum wir denn nicht weitermachen“, erklärt Carmen Thiede und „wir wollten den Kunden sagen, dass es nicht an uns liegt“. Gern hätte gerade Helene Thiede, die das Geschäft damals zusammen mit ihrem Mann Gerhard gegründet hatte, die sechs Jahrzehnte zusammenbekommen, doch die Entscheidung steht fest und somit war am vergangenen Sonnabend der letzte Tag der Thiede-Buchhandlung. Ab sofort geht der Verkauf nur noch per Internet weiter.
Filme, Schallplatten, Fotos und Autogramme gab es 58 Jahre lang bei der Buchhandlung, die schon ein Domizil am Steindamm und in der Stralsunder Straße hatte, bevor es vor sieben Jahren dann in die Lange Reihe ging. „Der Experte für vergriffene Bücher“ – das war stets der Slogan des Ladens, der viele antiquare Exemplare verkaufte. In die Lange Reihe zu kommen, das war stets ein Traum des Ehepaares gewesen und als es dann endlich soweit war, durfte Vater Gerhard es leider nicht mehr miterleben. Der Festvertrag, der noch bis 2015 Gültigkeit hattte, wurde nun vorzeitig gekündigt und so endet auch Helenes Traum vom 60-jährigen Bestehen vorzeitig.
Zweimal waren die beiden Damen in den letzten Jahren im Geschäft überfallen worden. Von einer Minute zur anderen, nachdem auch noch das Geld der Weihnachtsumsätze gestohlen worden war, entschlossen sich die beiden aufzugeben. „Wir hören auf“, teilten sie den Vermietern mit. Immerhin kommt Helene Thiede jeden Tag aus Geesthacht nach Hamburg und das in ihrem hohen Alter. Sie war die gute Seele des Ladens, und mit ihr verlässt wieder ein Lächeln mehr die Lange Reihe. (kg)
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2 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 21.01.2013 | 09:08  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 16.01.2015 | 16:06  
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