Auf zur Faltenrock-Party!

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Jeden ersten und letzten Sonntag im Monat: Party in zwei Locations Foto: Kathleen Brabant

Kult-Tanzveranstaltungen für die reifere Generation

Von Kathleen Brabant und Klaus Schlichtmann
Neustadt
Eines vorweg: Die Damen kamen in Jeans, Kleid oder Hosen-Anzug, aber einen Faltenrock trug nun wirklich keine. Gut 70 Gäste sind an diesem Abend zur „Faltenrock-Party“ ins Gängeviertel gekommen, deutlich in der Mehrzahl Frauen. Sie sind es dann auch, die ohne große Anlaufzeit die ersten auf der kleinen, gefliesten Tanzfläche sind. Die Boxen mit goldenem Lametta geschmückt, Kerzen auf den Tischen und der kleinen Bar, dampfender Glühwein im großen Kochtopf hinterm Tresen, ein Heizlüfter - alles ein wenig improvisiert, aber urig und gemütlich.  Rund 130 Quadratmeter hat der Clubraum am Valentinskamp in einem der zwölf verbliebenen Gebäude, die 2009 von Künstlern besetzt und so vor der Abrissbirne gerettet wurden. Jeweils am letzten Sonntag im Monat geht hier die Post für die junggebliebenen Senioren ab (wieder am 25. Januar). Wer jünger ist, kommt nur in Begleitung eines 60plus-Gastes hinein - und die Tür ist meistens hart.

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Die Idee zu dieser Partyreihe hat Kristina Sassenscheidt gemeinsam mit einigen Mitstreitern aus dem genossenschaftlich organisierten Gängeviertel entwickelt: „Meine Mutter meinte immer, in normalen Nachtclubs würde sie sich zu alt vorkommen und Senioren-Veranstaltungen mit Ballhaus-Musik sind nicht ihr Ding“, erklärt die Architektin. Im Oktober 2011 fiel der Startschuss für die „Faltenrock“-Partys - zunächst in der „Jupi-Bar“ an der Caffamacherreihe, seit Sommer 2014 vorübergehend „um die Ecke“ am Valentinskamp. Und weil diese Partys soviel Anklang finden, gibt es seit vorigen Juli im „Nochtspeicher“ (im ehemaligen Erotik-Art-Museum auf St. Pauli) eine „Faltenrock“-Dependance - hier in der Bernhard-Nocht-Straße 69 wird jeden ersten Sonntag im Monat abgerockt.
Auch Norbert ist an diesem Abend wieder in seinem Element. Norbert ist der DJ und geht auch schon auf die 70 Jahre zu. Er arbeitet wie alle anderen hier ehrenamtlich - auch ein Grund dafür, dass es keine Preisliste für die Getränke gibt. Kristina Sassenscheidt: „Jeder gibt so viel er kann oder möchte.“ Musikalisch greift DJ Norbert am Anfang tief in die Kiste bzw. in die Oldie-Charts seines Laptops: Creedence Clearwater Revival, Beach Boys, Bill Haley. Spätestens mit dem Rock’n’Roll-Klassiker „Johnny B. Goode“ von Chuck Berry sind die Frauen und ein knappes Dutzend Männer auf der Tanzfläche mächtig in Stimmung - und es ist fast noch Nachmittag, erst kurz vor sechs ...
Rainer (68) zum Beispiel, der ist richtig gut drauf. Er ist Stammgast und kommt extra aus Bad Oldesloe zur „Faltenrock“-Party. Auch Christiane (66) ist von Anfang an dabei, sie tanzt so gerne. „Es ist einfach unkompliziert und ungezwungen hier“, erklärt die Hochschullehrerin aus St. Pauli. Einen Partner hat sie bei „Faltenrock“ trotz Solotanzen kennen gelernt.

Tanzen als Medizin


Nicht zu vergessen Mechthild, so etwas wie ein Unikum bei „Faltenrock“. Mechthild ist 70 und trägt ein selbst geschneidertes Kleid mit chinesischen Motiven. Vier Monate im Jahr lebt und arbeitet sie als Deutsch-Dozentin für angehende Naturwissenschaftler in China, bereitet sie auf ihren Abschluss vor. „Dann kann ich natürlich nicht hier sein, aber sonst versäume ich keinen Abend“, sagt sie und klatscht mit im Rhythmus von „Let‘s Dance“. Als sie vor drei Jahren das erste Mal zur „Faltenrock- Party“ auftauchte, kam sie am Gehstock. Den braucht sie schon  lange nicht mehr: „Tanzen ist eben die beste Medizin“, lacht  Mechthild und dreht ausgelassen eine weitere Runde unter der glitzernden Discokugel.
Weitere Infos: www.60plusparty.de
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