Buchhändler erneut vor dem Aus?

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Mit vielen Protesten hat ein Stadtteil zusammengehalten. Ein Solidaritätsbuch, Lesungen und ständige Präsenz vor Ort haben viel Unterstützung gezeigt.Foto: Grell

Räume für Wohlers gesucht

St. Georg. Die Nerven des Buchhändlers Jürgen Wohlers liegen blank. Wochenlanges Warten auf die Unterzeichnung eines neuen Mietvertrages für seine alteingesessene Buchhandlung in der Langen Reihe scheinen nun doch vergebens gewesen zu sein. Der Rettungsplan zusammen mit einem Schweizer Hotelier, der im Stadtteil unter dem Namen „weißer Ritter“ bekannt wurde, ist gescheitert. Das Hoffen auf eine Verlängerung des Mietvertrages, um zumindest fünf Jahre, steht nicht mehr als Option bereit und nun muss ein „Plan B“ her. Grund für das Scheitern der Verhandlungen soll die frühzeitige Veröffentlichung der Rettung Wohlers durch die Presse gewesen sein, doch so richtig glaubt das niemand. Vermieter Frank Jendrusch hatte bereits mündlich einen Vertrag zugesagt, bei dem sowohl von seiner Seite Zugeständnisse versprochen worden waren, als auch von dem Schweizer Hotelier, der bis heute an seinen Aussagen festhält. Von 1400 Euro hatte Frank Jendrusch die Miete für die Buchhandlung Wohlers auf 4200 hochgesetzt. Für den Buchhändler unbezahlbar, der mit seinen Büchern kein Vermögen machen kann und das nach eigenen Aussagen. Vor zwei Wochen kam dann die erlösende Nachricht, dass sich ein Sponsor gefunden habe und Jendrusch mit weniger Mietforderungen entgegenkommen wollte.
Felix Schlatter, der nun überall im Stadtteil bekannte Sponsor der Buchhandlung, ist genauso enttäuscht von Frank Jendrusch, wie der Einwohnerverein und dessen Vorsitzender Michael Joho, der sich seit Monaten für den Erhalt der Buchhandlung in der Langen Reihe 68 einsetzt und bereits ein Freudenfest in der Koppel 66 angekündigt hatte.
Wer jedoch die Bewohner St. Georgs in der Zeit des Protestes kennengelernt hat, der weiß auch, dass hier noch lange nicht aufgegeben wird. „Mit Frank Jendrusch macht das Verhandeln keinen Sinn mehr“, meinen die meisten, die nun nach einer Alternative für Jürgen Wohlers Ausschau halten. Leerstände und Ladenwechsel gibt es einige in St. Georg, aber nicht alle kommen für eine Buchhandlung in Frage.
Räume, die aufgrund ihrer Lage im Souterrain zu feucht sind, um dort Bücher zu lagern, fallen weg, andere haben bereits einen Nachfolgemieter gefunden. Bis zum Ende des Jahres soll Wohlers seinen Laden verlassen haben und bis dahin muss St. Georg einen neuen Standort für seine Buchhandlung finden. „Wir geben niemals auf“, ist das Motto im Bahnhofsviertel, das Jürgen Wohlers immer wieder neuen Antrieb gegeben hat. (kg)
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