City-Höfe: Abriss gerechtfertigt?

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Abreißen oder neu bauen? Experten verlangen die Erhaltung der City-Höfe Foto: Timm
 
Der Spruch an der Hauswand bekommt besondere Aktualität Foto: Timm

Schon bevor das Kontorhausviertel UNESCO-Welterbe wurde, gab es Kritik an den Abriss-Plänen

Von Frank Berno Timm
City
Wo tagt demnächst die Bezirksversammlung Mitte? Und kann der neue Bezirksamtsleiter Falko Droßmann sein Büro auf Dauer am Klosterwall haben, oder braucht er schnell neue Visitenkarten? Die Diskussion um den Abriss der City-Höfe am Klosterwall ist noch einmal entbrannt, und sie währt schon mehrere Jahre. Auch Experten kritisierten die Pläne. Seit die Bürgerschaft in der vorigen Woche noch einmal Experten zu der Frage gehört hat, ob es gerechtfertigt ist, die City-Höfe am Klosterwall abzureißen und die Fläche neu zu bebauen, ist die Diskussion neu entbrannt. Beim Nachlesen stellt sich schnell heraus, dass die ersten Absichten, sich von dem Hochhauskomplex des Architekten Rudolf Klophaus endgültig zu trennen, schon aus dem Jahr 2012 datieren. Damals, so ist es in der Senatsdrucksache 21/2904 zu lesen, ist das Gelände erstmals zum Kauf angeboten worden, das Gebotsverfahren sei jedoch aufgehoben worden, „weil zu diesem Zeitpunkt noch keine gesicherte Planung für den Auszug des Bezirksamtes vorlag“ – dieses soll jetzt in den neueren Teil des ehemaligen Springer-Hauses in der Neustadt umziehen. Die Finanzbehörde, so Sprecher Daniel Stricker, halte auch nach der Expertenanhörung im Stadtentwicklungsausschuss der Bürgerschaft daran fest, das Grundstück zu veräußern und die Häuser zum Abriss freizugeben. „Dem Weltkulturerbestatus des Kontorhausviertels“, fügt Stricker hinzu, „wurde und wird zu jedem Zeitpunkt Rechnung getragen“. Das muss sich erst noch herausstellen. Schon bevor das Chilehaus zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde, flatterte nämlich Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) ein ziemlich besorgtes Schreiben der deutschen Sektion des „International Council on Monuments and Sites – Deutsches Nationalkomitee von ICOMOS e.V.“ und des Bunds Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) ins Haus. Ein Satz daraus macht die Tendenz klar: „Für die internationale Anerkennung des Kontorhausviertels als erste Weltkulturerbestätte der Freien und Hansestadt Hamburg könnte der Verzicht auf ein geschütztes Baudenkmal innerhalb der Pufferzone des beantragten Welterbes einen erheblichen Ansehensverlust bedeuten“.
Ähnlich äußert sich auch Prof. Bertold Burckhardt, Sprecher der ICOMOS-Monitoring-Gruppe, die die Welterbestätten betreut. Er halte persönlich den Eintrag der City-Höfe in die Denkmalsliste für „unbedingt gerechtfertigt“. Das Gebäude sei sanierungsfähig, der Besitzer zum Erhalt und zur Pflege verpflichtet.
In puncto Welterbestatus sagt Burghardt, man unterscheide zwischen Kern- und Pufferzone, letztere diene dem Erhalt der geschichtlich gewachsenen Struktur und Sichtachsen. Veränderungen müssten auf Verträglichkeit mit dem Welterbestatus überprüft werden. Die Stadt Hamburg habe angefragt, ob ein Abriss möglich sei, aber „noch keine Pläne vorgelegt“. Die Monitoring-Gruppe gebe eine Stellungnahme ab, über die werde auf der jährlichen Welterbekonferenz entschieden, „da geht Zeit ins Land“. Doch es geht nicht nur um das Grundstück des Hochhauskomplexes, sondern es ist offensichtlich vorgesehen, den „viertelkreisförmigen Vorplatz zwischen Cityhof und Bauer-Verlag zu erwerben und zu bebauen“. Weiter heißt es in dem Senatspapier, mit einer stärkeren Schließung der Bebauung „unter Einbeziehung einer möglichen Neubebauung des Nachbargrundstücks“ könnte ein neues Eingangstor zum Kontorhausviertel gestaltet werden. Geht man nach bislang vorliegenden Skizzen, wäre es allerdings weit enger als der jetzige Bestand. Das Angebot eines Konsortiums um den Hamburger Architekten Prof. Volkwin Marg, den Hochhaus-Komplex zu erhalten und zu sanieren, ist nach Auffassung der Finanzbehörde „unseriös gerechnet und wirtschaftlich nicht darstellbar“. Marg habe nach Ende aller Verhandlungen das Angebot noch einmal erheblich unter Nachverhandlungsvorbehalt stellen wollen. Stricker: „Kurz gesagt: Herr Marg will die Stadt über den Tisch ziehen“.
Dass Architekt Prof. Volkwin Marg das anders sieht, ist nachvollziehbar. Er kritisiert, das Denkmalschutzgesetz verlange, dass für den Abriss eines Denkmals nachzuweisen sei, dass dessen Erhaltung wirtschaftlich nicht mehr tragbar wäre. „Der Staat hat eine Vorreiterrolle“, sagt Marg, die City-Höfe seien eines der größten Hamburger Denkmale. Die Stadt habe im Rahmen der privatrechtlichen Ausschreibung für das City-Hof-Projekt ihrerseits nachträglich Auflagen erteilt – damit wäre der Investor, für den der Architekt geplant hatte, in Vorleistung gegangen, laut Marg zunächst ohne Sicherheit. Und der Architekt erinnert daran, dass sein Konzept weit mehr Wohnraum als verlangt vorgesehen habe – nicht nur neun Prozent, sondern „alle Türme“.
„Wer wen über den Tisch gezogen hat, ist mehr als fraglich“, so der Professor. Den Plan allerdings, den Platz südlich städtebaulich zu schließen, hält er für richtig, „dafür muss man aber kein Denkmal abreißen“. Wenn die Bürgerschaft dem
Vorschlag des Senates nicht folgt, werde man einem neuen Bieterverfahren für das Grundstück zustimmen, so Stricker.
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4 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 09.03.2016 | 08:20  
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 10.03.2016 | 18:41  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 10.03.2016 | 19:58  
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Marco Alexander Hosemann aus Winterhude | 11.03.2016 | 20:06  
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