Da hilft nicht nur Beten

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Kaum wiederzuerkennen: Ein Blick in das Kirchenschiff zeigt die Streben des Baugerüstes Foto: Steiffert
 
Das Deckengewölbe zu sanieren ist für die Bauarbeiter eine echte Herausforderung Foto: Steiffert

Die Sanierung von St.-Gertrud ist aufwendig. Wiedereröffnung Ende August

Uhlenhorst Seit Mitte Januar ist die St. Gertrud Kirche im Immenhof geschlossen – Sanierungsarbeiten. Die Gottesdienste wurden verlegt, Feste und Veranstaltungen fallen ganz aus. Doch es gibt einen Lichtblick. Gerade wurde wieder ein wichtiger Bauschritt geschafft – die Arbeiten am Turm sind beendet. Allerdings: Nun kam im Hauptgewölbe der gesamte Putz herunter. Der muss jetzt durch einen neuen ersetzt werden – eine unverhoffte Erschwernis. Von außen erkennbar ist das alles jedoch kaum. Ein Bauzaun umzäunt die spärlich angesiedelten Container, die vor dem Gebäude stehen. Kaum denkbar, dass hier gerade hochkomplexe Arbeiten stattfinden.
Die Sanierungen waren jedoch dringend notwendig. Eine bestimmte Putzschicht führte dazu, dass der Verputz an den Kirchenwänden nicht atmungsaktiv war, die Feuchtigkeit in der Kirche konnte nicht mehr nach draußen gelangen.

Der Orgel gilt der höchste Schutz


Das Problem: Es entstanden feuchte Flecken an den Wänden und es drohte Schimmel. Besonders verheerend wäre dabei der Befall der Kirchenorgel gewesen. Damit wäre nicht nur das Herz der Kirche, sondern auch ein rund eine Million Euro teures Instrument zerstört gewesen. Die Kosten der Sanierung sind erheblich. Schon ein einzelner Riss im Hauptgewölbe kostet 30.000 Euro. Weitere 110.000 Euro fließen in den Gerüstbau, denn die Wölbungen des Gebäudes stellen die Arbeiter vor eine große Herausforderung. Jeder Schritt muss genauestens geplant und durchgeführt werden.

Geplante Gesamtkosten: rund 850.000 Euro


Für die enormen Gesamtkosten von rund 850.000 Euro wurde ein Darlehen aufgenommen. Geschont sollen dabei vor allem die finanziellen Rücklagen der Kirche. „Im vergangenen Jahr hatten wir ein defektes Abflussrohr entdeckt, was uns mal kurz 30.000 Euro kostete. Wir planen unsere Rücklagen so ein, dass wir genügend für unvorhergesehene Ereignisse haben und finanziell abgesichert sind. Dennoch sind wir in der Lage bei Zinserhöhung das Darlehen auch auflösen zu können“, erklärt Pastor Frie Bräsen. „Wir bemühen wir uns aber auch um einen Zuschuss vom Denkmalschutz.“
Noch bis Ende April wurde die komplette Kirche speziell gereinigt und neu verputzt. Wichtig für die Pflege und den Schutz des Gemäuers, aber auch für die Allergiker, die die Kirche besuchen. Zudem können sich die Besucher auf gepolsterte Bänke und neue Beleuchtung freuen. Von nun an muss niemand mehr über die endlos langen Kabel der aufgestellten Scheinwerfer stolpern und auf hartem Holz sitzen. Dinge, auf die die Kirchengemeinde noch bis zur Wiedereröffnung am 30. August warten muss. Doch Pastor Bräsen ist sicher: Es lohnt sich. „Die Kirche ist nicht nur ein Gebäude, sondern hat auch viel Innenleben. Nach der Wiedereröffnung werden wieder viele Feste und Veranstaltungen stattfinden“, so der Pastor. Vielleicht ja ein Grund, ab Ende August wieder in die St. Gertrud Kirche reinzuschnuppern. (lst)

Gottesdienst mit Hindernissen:
Während der Renovierungsarbeiten finden die Gottesdienste im Seniorenzentrum auf der Uhlenhorst, Heinrich-Hertz-Straße 90, statt. Trotz Fahrdienst ab Kirche St. Gertrud nimmt nur rund ein Drittel der Kirchengemeinde an dem alternativen Gottesdienst teil. Viele scheuen einen längeren Weg, andere benötigen geweihte Räume zum Gebet. Aspekte, die die Kommunikation mit den Gemeindemitgliedern erschweren. „Wir Pastoren sind nicht mehr im regelmäßigen Gespräch mit den Mitgliedern. Dadurch könnten sie den Bezug zur Kirche verlieren“, befürchtet Pastor Frie Bräsen. Im Seniorenzentrum findet der Gottesdienst auf einer kleinen Bühne statt, die Orgel wurde durch ein Keybord ersetzt – nur die Kirchen-
glocken bleiben vorerst stumm. Und doch berge das Provisorium auch Vorteile, so Bräsen: „Weil der Raum hier wesentlich kleiner als die Kirche ist, sitzen die Menschen enger zusammen. Das führt dazu, dass sich Gemeindemitglieder neu kennenlernen und Besucher kommen, die sonst eigentlich nicht in die Kirche gehen.“ (lst)
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