„Dach überm Kopf ein Anfang“

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Auch Michael Joho vom Einwohnerverein (l.) und Schauspieler Rolf Becker, der in St. Georg wohnt, sprachen gegen den Leerstand

Demonstranten fordern: Leerstehende Wohnungen für Obdachlose öffnen

Von Karen Grell
Hamburg. Mit einer großen Kundgebung haben die Vereine St. Georgs und verschiedene Mitstreiter aus anderen Bezirken auf die vielen leer stehenden Gebäude in Hamburg aufmerksam gemacht. Als eines von vielen Beispielen diente das Haus Koppel 95, das bereits 18 Jahre ungenutzt ist (das WochenBlatt berichtete). Dem gegenüber steigen die Mietpreise in der Stadt teilweise rasant. Wohnen in St. Georg, das ist schick geworden und davon haben auch die Hauseigentümer längst Wind bekommen.
Gleich am Ende der beliebten Langen Reihe, kurz vor dem Hauptbahnhof, nimmt gleichzeitig die Zahl der Obdachlosen zu. Die Quartiere des Winternotprogramms könnten auch in diesem Winter wieder knapp werden, und die Anzahl der Flüchtlinge, die nach Hamburg kommen, steigt kontinuierlich. „Da kann es nicht sein“, meint Michael Joho, der Vorsitzende des Einwohnervereins in St. Georg, „dass Gebäude über Jahrzehnte hinweg nicht genutzt werden.“
Unter dem Motto. „Eigentum verpflichtet“ riefen die Demonstranten dazu auf, die Gebäude, die in den Bezirken leer stehen, sofort für die Unterbringung von Obdachlosen zu öffnen. John Freude, einer der Sprecher auf der Kundgebung, berichtete von seiner eigenen Obdachlosigkeit und der Kälte, die er auf der Straße erlebt habe. „Ihr würdet nicht eine einzige Nacht im Schlafsack überleben“, vermutet der junge Mann, der bereits mit 18 Jahren zum ersten Mal auf der Straße landete. Auch für diejenigen, die finanzielle Unterstützung vom Amt bekämen, sei die Lage nicht viel besser. „Für den Höchstsatz, der für eine Person als Mietobergrenze festgelegt ist, bekommt man gar keine Wohnung“. Gerade die günstigen und kleinen Wohnungen seien schnell vermietet und wer dann als Obdachloser ohne Arbeit käme, der hätte kaum eine Chance als neuer Mieter akzeptiert zu werden. Der Winter naht, schon hat es zum ersten Mal Bodenfrost gegeben, und die Zeit für neue Lösungen drängt. Dirk Fichter aus St. Georg hatte im vergangenen Winter spontan einen polnischen Obdachlosen in seiner Fahrradwerkstatt in der Koppel übernachten lassen, denn das Versprechen der Politik, kein Obdachloser solle in Hamburg auf der Straße erfrieren, hätte dem Mann in dieser Lage nicht geholfen, glaubt er. Heute lebt der Pole in einem gemieteten Zimmer und wird durch die Nachbarn unterstützt. „Der erste Schritt ist doch ein Dach über dem Kopf“, meint auch Karla Fischer, die mit einem gebastelten Dach auf dem Kopf gekommen war.
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1 Kommentar
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Erich Heeder aus Billstedt | 26.10.2013 | 15:37  
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