Die andauernde Revolution

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Fadi Ezzat fotografierte im März 2011 studentischen Protest gegen die alte Verwaltung aus der Mubarak-ÄraFoto: Hörmann

Museum für Kunst und Gewerbe zeigt Bilder aus Kairo

St. Georg. Täglich sehen wir erschreckende Bilder aus Ägypten im Fernsehen und im Internet, immer neue Opfer der Gewalt am Nil machen den Westen zunehmend ratlos. Wichtig für die Bevölkerung vor Ort in all dem Chaos ist, dass die Welt erfährt, was im Lande vor sich geht. Das gilt heute genau wie zu Beginn der Massenproteste gegen das politische System Husni Mubaraks am 25. Januar 2011 auf dem Kairoer Tahrir-Platz. Mit der Fotoausstellung „Kairo. Neue Bilder einer andauernden Revolution“ zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Arbeiten von 62 ägyptischen Fotografen und Künstlern, die das Geschehen aus ihrer Sicht festhalten. Darunter sind Bilder professioneller Presse-Fotografen, die in arabischen Zeitungen veröffentlicht wurden, aber auch Fotos von Amateuren und Fotografen, von Bürgerjournalisten, die vor der Revolution mit Bildjournalismus nichts zu tun hatten. Einer von ihnen ist Tarek Hefny, der junge Ägypter verbrachte nach dem 25. Januar 18 Tage auf dem Tahir-Platz in einem Zelt, sammelte alle Fotos und brachte sie gemeinsam mit einer Gruppe von Aktivisten ins Internet. „Wir wollten einfach alles, was da passiert, dokumentieren, um nicht nur die Perspektive des staatlichen Fernsehens zu haben“, sagt Tarek Hefny. Es entstand ein Internet-Archiv mit zahllosen Bildern aus Sicht der Bürgerjournalisten, von dem ein kleiner Teil auch im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen ist. Ergänzt werden die Fotos und Videos von Kunstprojekten und einer „Twitter-Wand“, eine Wand mit Twitter-Nachrichten, die die Geschichte dieser Revolution schreiben. Hefny erzählt, dass die Revolution sein Leben komplett verändert hat, seine gesamt Zeit widmet er jetzt der Dokumentation der Ereignisse. Der Besuch in Deutschland gehört dazu – und auch die weiter Betreuung seines Internet-Projekts. Die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe legt ihren Schwerpunkt auf die Zeit zu Beginn der Massenproteste 2011, gibt aber auch einen Einblick in die aktuellen Geschehnisse während des Sturzes von Präsident Mohamed Mursi Anfang August 2013. Zeitgeschichte im Museum – ein spannendes Projekt und ein intensiver Blick auf die „andauernde Revolution“ am Nil. (sh)

Bis 17. November 2013, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, Di-So 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro
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