„Die Leute an einen Tisch holen“

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Die Mitglieder des Bürgervereins St. Georg führten eine engagierte Diskussion mit dem neuen Bezirksamtsleiter Foto: Timm

Bezirksamtsleiter Falko Droßmann trifft den Bürgerverein

Von Frank Berno Timm
St. Georg
Wer den neuen Bezirksamtsleiter von Mitte, Falko Droßmann (SPD), auf Veranstaltungen erlebt, kann einem Politiker zuhören, der Konflikte aufmerksam wahrnimmt, zum Dialog auffordert und, in bestimmten Fällen, auch mal für mehr Eigenverantwortung wirbt. Die Probleme St. Georgs hat er, wie sich auf einer Unterhaltung mit dem Bürgerverein am Montag zeigte, auf dem Schirm.
Zügig ging es in eine durchaus engagierte Gesprächsrunde, in der nicht nur St. Georg Thema war – immerhin ist Droßmann, wie Vereinschef Martin Streb bemerkte, für 290.000 Einwohner des Bezirks Mitte zuständig. Noch ehe die ersten Wortmeldungen kamen, plädierte Droßmann für einen zügigen Umbau des überlasteten Hauptbahnhofs. Nach seinen Visionen gefragt, entgegnete der SPD-Politiker, man müsse darüber nachdenken, ob die Stadt „noch so ist, wie sie war“. Hamburg verändere sich, Wohngebiete wie die Horner Geest hätten ihre Lebensdauer erreicht und seien durch Sanierung kaum wirklich zu verbessern: „Wir müssen Stadt ganz neu entwickeln“.

Im Stadtteil engagiert


Dazu gehöre auch, dass der Einzelne Verantwortung wahrnehme. Der Steindamm sei „komplett verdreckt“, daran seien Gewerbetreibende nicht unschuldig. Droßmann kündigte Kontrollen an der Baumeisterstraße an. Er sei nicht der Meinung, dass Leute mit ihrem Auto direkt vor die Tür eines Geschäfts fahren müssten, so Droßmann. Parkplätze würde er allenfalls für E-Mobilität opfern. Für den Hansaplatz ließ Droßmann durchblicken, dass die Aussichten dafür, dass das Pissoir abgebaut und eine richtige Toilette installiert würde, gut seien. Außerdem gebe es die Idee, ein zeitlich begrenztes Alkoholverbot auszusprechen. Droßmann räumte Schwierigkeiten mit Ordnungswidrigkeiten und der öffentlichen Sauberkeit auf dem Hansaplatz ein, betonte aber auch, dieser Platz war und werde ein Schmelztiegel bleiben. Einen Business Development District (BID) am Steindamm schloss Droßmann nicht aus, stellte aber klar, dass „private Menschen nicht Ordnung und Sauberkeit garantieren“ dürften. Für die Behebung der Schwierigkeiten am Kleinen Pulverteich bat er „um etwas Zeit“. Letztlich solle man alle Leute an einen Tisch holen, dieses müsse öffentlich passieren und er sei bereit, das zu moderieren. Dritter Themenkomplex war die Flüchtlingsunterbringung und der Wohnungsbau. Ob man nicht Gebäude aufstocken könne, so eine Frage aus dem Publikum. „Das besondere öffentliche Interesse sehe ich nicht“. Dass für Flüchtlingswohnungsbau Bauvorschriften gemindert würden, „sei eine Parole“, also nicht wahr. Droßmann warb am Beispiel des Wilhelmsburger Spreehafens dafür, auch über die Aufweichung der strikten Trennung von Gewerbe-, Industrie- und Wohngebieten nachzudenken. „Wir müssen lernen, miteinander zu diskutieren“. Das sei ohnehin das entscheidende Credo von Droßmanns Politik.
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