Ein Cellist in der Altstadt

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Felix Stockmann lebt mitten in der Hamburger Altstadt - in einer Mansardenwohnung mit Büchern und Notenheften. Foto: Teuber

Hamburger WochenBlatt zu Gast bei Musiker Felix Stockmann

Von Fabian Teuber

Altstadt. Aus dem Fenster seiner Dachgeschosswohnung blickt er auf das Chilehaus - Felix Stockmar ist freischaffender Musiker und lebt in der Altstadt. Unser Reporter hat ihn dort besucht und mit ihm über ein Leben von und für die Kunst gesprochen. Eine Mansardenwohnung, klein, aber gemütlich, bis unter die Decke stapeln sich Bücher und Notenhefte, an den Wänden Instrumente, in der Ecke steht ein Cembalo.
In etwa so stellt man sich das Zuhause eines jungen Künstlers vor - und tatsächlich: hier lebt der Cellist Felix Stockmar. Seit seinem achten Lebensjahr spielt er das wuchtige Instrument, vor einigen Jahren hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Der 32-Jährige ist Musiker mit Leib und Seele, er nimmt in Kauf, dass ein Leben für und von Musik alles andere als einfach ist. Schon von klein auf hegte er den Wunsch, einmal als Schauspieler oder Musiker seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als in der Abiturzeit der Gedanke reift, Berufsmusiker zu werden, rät ihm seine Lehrerin davon ab: zu groß sei der Konkurrenz- und Leistungsdruck, er obendrein schon zu alt, um es seinen Traum zu verwirklichen. Doch der Entschluss war gefasst, 2001 ging er nach Rostock und studierte dort sechs Jahre an der Hochschule für Musik und Theater modernes Cello. Er begann sich für das Barockcello zu interessieren, beschäftigte sich viel mit den praktischen und theoretischen Aspekten der historischen Aufführungspraxis und wurde Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Barockorchesters und der Concertino Schleswig-Holstein. Mit Begeisterung erzählt er von den Veränderungen, die `sein´ Instrument seit der Renaissance erfahren hat – wie sich das Klangideal verändert habe, welche technischen Veränderungen es gegeben habe. Felix Stockmar spielt Barockvioloncello und Violoncello, beide besitzen spezifische Eigenheiten in punkto Klang und Handhabung. Um die oft hunderte Jahre alten Instrumente in Schuss zu halten, muss viel Zeit, Geld und Mühe investiert werden. Regelmäßig stehen Besuche beim Geigenbauer an, um etwa kleinere Schäden und Alterserscheinungen am Klangkörper zu beheben.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre – und auch danach ist Fleiß und Ausdauer gefragt Mittlerweile kann er von seiner Musik leben, doch das war nicht immer so: lange Zeit musste er sich mit einem Job in der Gastronomie über Wasser halten, war dort schnell aufgestiegen, arbeitete nun bis zu 80 Stunden in der Woche - und hatte somit selten Zeit und Muße, sein Instrument zu spielen. Die Unzufriedenheit darüber wuchs, schließlich gab er seinen geregelten und recht sicheren Job auf, versuchte es doch noch mit der Musik. Zwar war der Einstieg in die recht überschaubare Szene der Barockmusik nicht einfach, doch bereut hat er diesen Schritt nicht. Heute ist er festes Mitglied des Ensembles Il Suono, spielt regelmäßig mit verschiedenen Partnern Kammermusik und gibt selbst Unterricht im Cellospiel. Doch nach wie vor sei das Leben eines freien Musikers „kein Leichtes“. Gerade das Geschäft mit der alten Musik ist ein saisonales, immer wieder gibt es Durststrecken, in denen es auch mal knapp wird mit den Einkünften. Gut ist die Auftragslage immer rund um die großen kirchlichen Feiertage, gerade an Ostern und Weihnachten ist viel zu tun. Bisweilen muss Stockmar auch Aufträge ablehnen – nicht immer, weil er schon ausgebucht ist. Viele Firmen und Privatleute wünschen sich für ihre Feier als besonderes `Schmankerl´ ein kleines Ensemble, das die Gäste mit Livemusik unterhält. Oft kommen solcherlei Auftritte nicht zustande, weil sich die potentiellen Auftraggeber falsche Vorstellungen hinsichtlich der Gage machen.
Denn was während eines Konzerts mühelos und leicht aussieht, ist das Resultat harter Fleißarbeit. Je nach Umfang des Repertoires wird mehrere Wochen mit bis zu acht Stunden am Tag geprobt. Oftmals wird dann oftmals statt der Profimusiker ein DJ gebucht, der die gewünschten Titel aus der Konserve liefert.
Dennoch ist Felix Stockmar zufrieden: er hat, allen Warnungen und Widrigkeiten zum Trotz, geschafft, wovon er als Kind geträumt hat. Obwohl Reichtum und bisweilen auch Anerkennung ausbleiben, auch wenn der Weg weiterhin steinig ist, möchte er seinen ihn weitergehen. Er beweist damit, dass es sich lohnt, seine Träume zu verfolgen – vorausgesetzt das neben einer gehörigen Portion Talent auch Fleiß, Ausdauer und Hartnäckigkeit zur Persönlichkeit gehören.
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