Ein Hotel, wie gemalt

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Stilvoller Frühstücksraum im 1. Stock: die Gäste speisen gemeinsam am gedeckten großen Tisch unter dem Kristall-Leuchter
 
Wirkt kleinstädtisch einladend, liegt aber mitten in St. Georg: das historische Galerie-Hotel in der Langen Reihe Fotos: Schlichtmann

Hausbesuch im Galeriehotel Petersen - Hamburg zwischen 18. und 21. Jahrhundert

Von Klaus Schlichtmann
St. Georg. Es wirkt unscheinbar, wenn man unmittelbar davor steht in der bunten, quirligen Langen Reihe 50 in St. Georg. Ein Schild an der matt-gelben Fassade, ein schmaler Eingang zwischen einem Restaurant und einem Fashion-Store mit Kaffee-Ausschank, eine steile Treppe, die in den 1. Stock führt.

Unscheinbar - und doch ist es eines der bemerkenswertesten Gebäude in unserer Stadt, ausgerechnet hier, im Herzen dieses umtriebigen, urbanen Viertels, einen Steinwurf nur vom Hauptbahnhof entfernt.

Hajo hieß mal Sarah

Willkommen im „Galerie-Hotel“, einer der ältesten Herbergen Hamburgs und mit Sicherheit eine der ungewöhnlichsten! Der Hotel-Betreiber wartet bereits. Ein schmaler, kleiner Mann, vor 71 Jahren in Wien geboren, Kunststudium in den USA, nach der Rückkehr aus Kalifornien Mitarbeiter der Verbraucherzentrale Hamburg, Maler, schließlich Hotelier. Petersen heißt er, Hajo Petersen - für einen Österreicher nicht eben typisch, dieser Name. Er hieß auch schon einmal Sarah. Viele seiner Bilder im Treppenhaus und in den Gästezimmern tragen diesen Schriftzug, weil sie in einer Zeit entstanden, als Hajo Petersen eine Frau war. Wir sind eben in St. Georg ...

Drei-Sterne-Hotel

Das „Galerie-Hotel“ wurde Ende des 18. Jahrhunderts als klassizistisches Fachwerkhaus erbaut und ist damit neben einem weiteren Gebäude das älteste Haus an diesem Straßenzug, steht seit 2005 unter Denkmalschutz. Das Drei-Sterne-Hotel wurde in den 90ern aufwändig saniert und verfügt im Dachgeschoss lediglich über fünf Doppel-Zimmer, die bei Bedarf miteinander verbunden werden können. Sogar einen Dachgarten gibt es - eine grüne Oase im Großstadttrubel. Es ist ein Haus mit gediegenem Charme, denn jeder Raum ist individuell mit Möbeln aus unter- schiedlichen Epochen eingerichtet - Biedermeier, Jugendstil, Bauhaus, dazu französische Spiegel, italienische Leuchter, britische Anrichten. Trotz dieser musealen Antiquitäten - Internet und WLAN gibt es auch. Die Gäste - früher überwiegend Schauspieler, Künstler oder sonstige Kreative - frühstücken übrigens gemeinsam an einem großen, eingedeckten Tisch unterm schweren Kristallleuchter. Früher, in den Siebziger, Achtziger Jahren ging es hoch her in diesem Haus, das durch seine zahlreichen Gemälde eine eigenwillige und einzigartige Mischung aus Hotel und Galerie ist. Es ist ruhig geworden, auch um Hajo Petersen, dem Künstler. Er malt schon lange nicht mehr - weil er es nicht mehr kann. Eine schleichende Erbkrankheit hat ihn fast erblinden lassen, die Netzhäute lösen sich ab. Durch Akkupunktur versucht der Hotelier, die Erkrankung zu lindern. Doch auch wenn die Sehkraft schwindet - in seinem Hotel, seinem Refugium, kann Hajo Petersen jeden Winkel beschreiben. Und er findet noch immer Freude daran, den Gästen sowie alle Kunst-Interessierten durch das kleine Galerie-Hotel zu führen und seine Bilder zu erklären. Dazu bietet er Hausführungen unter dem Titel „Von Hollywood nach St. Georg“ an. Sie finden in unregelmäßigen Abständen statt, daher ist eine Anmeldung unter Tel. 040-249 826 erforderlich.
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