Ein Viertel macht sich stark

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Michael Joho, der Vorsitzende des Einwohnervereins (links) und die bekannte Journalistin und Autorin Peggy Parnass sind oft dabei, wenn es um Stadtteilprobleme in St. Georg geht. Foto: Grell

Demonstration des Einwohnervereins vor der Buchhandlung Wohlers

St. Georg. Im Stadtteil St. Georg hat sich eine richtige Bewegung gegen die Veränderungen im Viertel mobilisiert und zeigt mit verschiedenen Aktionen ihre Präsenz und Unzufriedenheit.
Nach einer großen Demonstration auf dem Hansaplatz vor zwei Wochen, gab es in den vergangenen Tagen den nächsten Aufruf zum Mitmachen. Direkt vor dem Eingang der Buchhandlung Wohlers, deren Miete von 1400 auf 4100 Euro angehoben werden soll, versammelten sich Hunderte Protestler zu einer Lesung, um auf die wachsende Problematik der Mieterhöhungen im Stadtteil aufmerksam zu machen.
Vermieter der Wohlers-Buchhandlung ist Frank Jendrusch, der die monatlichen Kosten so extrem anheben möchte, dass dies nach 79 Jahren am Ort, das Aus für Wohlers bedeuten würde. „Das bereits in der dritten Generation geführte Geschäft kann diesem neuen Prozess im Viertel nicht mehr Stand halten“, wissen auch alle diejenigen, die nun versuchen wollen, den Wandel vom gewohnten St. Georg in einen „Schickimicki-Stadtteil“ zu verhindern. „Wir sollen mehr sein, als nur Friseure und Bäckereien“, bedauern die Menschen, die hier seit Jahrzehnten leben, die Entwicklung im Stadtteil. Die halbstündige Kundgebung des Einwohnervereins aus Solidarität zur Buchhandlung sprach von „Mietenwahnsinn in St. Georg unter dem Motto “Bücher öffnen Welten – Spekulanten zerstören sie.“
Der gesamte Stadtteil St. Georg und dabei vor Allem die Lange Reihe, seien in den letzten Jahren immer mehr in das Interesse der Touristen geraten, was auch die Wohnqualität verändere.
Die Verkäufer von sanierten Eigentumswohnungen werben bereits mit der Attraktivität dieser bunten Meile.
Man würde in einen schicken Stadtteil mit vielen Cafés und noblen Boutiquen ziehen, heißt es dort, wo einst die Tante-Emma-Läden sich aneinanderreihten. Gegen einen Wandel im Stadtteil haben dabei gar nicht alle etwas auszusetzten, nur müsse es zum Charakter des Viertels passen.
Die Willkür bei den steigenden Mietpreisen, die wollen die Protestler aus dem Viertel allerdings nicht einfach so akzeptieren.
„Wir lassen uns hier so schnell nicht vertreiben“, da sind sich die meisten der Anwohner absolut sicher.
„Wer Jahre lang das Leben im Viertel nahe des Hauptbahnhofes mit kreiert hat, der will sich nicht von Investoren eine neue Lebensphilosophie aufdrängen lassen“. (kg)
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