Ein warmer Schlafplatz

Anzeige
In der Winternotunterkunft in der Münzstraße kann bis 9 Uhr übernachtet werden, danach gehen einige Obdachlose in das „Herz As“ Foto: sos

Münzviertel: Winternotunterkunft für Obdachlose bis Ende März geöffnet

Von Sonja Schmidt
Hammerbrook
Im Münzviertel schlägt das soziale Herz Hamburgs besonders stark. Ein wichtiger Anlaufpunkt für Obdachlose ist in diesem Winter die zentrale Übernachtungsstätte in der Münzstraße 6-9. Bis zum 31. März finden in den Containern rund 450 Menschen in Vierbett-Zimmern einen Schutz. Das sind so viele wie an sonst keinem anderen Standort der Hansestadt. Doch geöffnet ist nur von 17 bis 9 Uhr, danach verteilen sich die Wohnungslosen wieder in der Stadt und müssen im Freien schlafen. „Das ist riskant, denn schon ab vier Grad drohen Unterkühlungen“, sagt Andreas Bischke, der Leiter der Tagesaufenthaltsstätte „Herz As“ in der Norderstraße. Die Einrichtung der Hamburger Stadtmission liegt direkt gegenüber der Winternot-Unterbringung und ist eine von sieben Hamburger Tagesaufenthaltsstätten. Sie bietet Wohnungslosen ein wenig Ruhe sowie die Möglichkeit zu duschen, sich einzukleiden oder etwas Warmes zu essen.
Das Team kümmert sich um persönliche Beratung und sortiert die Post der Wohnungslosen, die hier auch ihr persönliches Hab und Gut in Schließfächern verwahren können. Rund 1.000 Obdachlose, darunter etwa 100 junge Menschen unter 25 Jahren, haben ihre Postadresse in der Norderstraße 50 angegeben – das ist allein die Hälfte der geschätzt 2.000 Obdachlosen in Hamburg. Der Andrang im „Herz As“ ist angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum groß, täglich nutzen gut 170 Besucher die Einrichtung als Schutzraum. Ein Problem für die Bewohner des Viertels sei das nicht, sagt Bischke. „Das Münzviertel ist dem Thema Obdachlosigkeit gegenüber sehr offen eingestellt.“ Seit Jahren beschäftigen sich im Stadtteil mehrere Initiativen und Anwohner aktiv damit, wie mit dem Thema Wohnungslosigkeit umgegangen wird.

Dialog weiterführen


Zumindest solange das Winternotprogramm noch bis Ende März läuft, hat das „Herz As“ jeden zweiten Sonnabend von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Auf Drängen der Linksfraktion eröffnete die Sozialbehörde nach einer heftigen Debatte in der Hamburger Bürgerschaft zudem eine weitere Tagesaufenthaltsstätte in der Friesenstraße. Mittlerweile gibt es in Hamburg somit 1.040 Betten in Notunterkünften. Als reiner Erfrierungsschutz bleibt das Winternotprogramm jedoch nach wie vor tagsüber geschlossen. „Wichtig ist, dass der Dialog mit der Sozialbehörde und Politik weitergeführt wird. In Hamburg muss sich weiterhin grundsätzlich über die Zielrichtung der Wohnungslosenhilfe unterhalten werden“, betont Bischke. Wenn ein Obdachloser bereits im zehnten Jahr im Erfrierungsschutz ist und immer noch keine Wohnung hat, dann müsse man sich fragen, warum das so sei. Bischke: „Wir müssen alle im Gespräch bleiben, denn der nächste Winter kommt bestimmt.“

Weitere Informationen zum Angebot des „Herz As“ gibt es im Internet unter www.herzashamburg.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige