Eine kleine große Frau

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Auf der Bühne brilliert Lauren Barrand (Mitte) in der Rolle von „Fleck“ Fotos: Stage Entertainment
 
In dieser Truppe fühlt sie sich wohl: Lauren Barrand mit einem Teil des Ensembles

Lauren Barrand spielt im Operettenhaus und liebt St. Georg

Von Nina Holley
St. Georg Schnittig parkt sie gekonnt in der Parklücke direkt vor dem italienischen Restaurant an der Langen Reihe in St. Georg ein. Die Tür geht auf: Lauren Barrand ist da. Manch einer guckt bei ihrem Anblick etwas erstaunt, und auch neugierige Blicke sind nicht selten. Das ist die gebürtige Britin aber schon längst gewöhnt: Lauren kam kleinwüchsig zur Welt.

Mittlerweile misst die 27-Jährige 1,10 Meter. Und wenn eines bei ihr zutrifft dann der bekannte Spruch „Klein, aber oho!“. Die junge Frau hat Power und eine unglaubliche Ausstrahlung. Kein Wunder, dass sich Stage Entertainment bei einem Casting für sie vor mehr als einem Jahr entschieden hat. Seitdem gehört Lauren zu den Musicaldarstellern aus „Liebe stirbt nie – Phantom II“ und steht bis zu sechsmal die Woche als die Fantasiefigur „Fleck“ auf der Bühne. Dann wirbelt sie umher, tanzt und singt. Und das alles auf Deutsch, obwohl sie die Sprache gar nicht fließend spricht. „Zweimal die Woche habe ich aber Deutschunterricht“, sagt Lauren.

Ihre Premiere auf der Bühne hatte sie vergangenen August im Stage Operettenhaus am Spielbudenplatz. Seitdem beherrscht sie nicht nur einige Sätze gekonnt für den Alltag, Hamburg ist auch zur zweiten Heimat für sie geworden: „Ich liebe es von meinem Balkon aus das Treiben in
St. Georg zu beobachten. Einen Kaffeelieblingsshop habe ich auch – dort kennt man mich bereits und wir halten Small Talk. Das finde ich klasse. Sowas gibt es so nicht in London, wo ich zuletzt gewohnt habe.“

Rolle in Harry Potter

„Dort sind die Menschen viel mehr nur mit sich selbst beschäftigt“, sagt Lauren. Die Offenheit der Hanseaten gefällt ihr, aber auch die klassischen Sehenswürdigkeiten wie der Hafen, das Chokoversum und ein Bummel über den Dom. Dann wird die Musicaldarstellerin zur Touristin – auf der Straße erkannt wird sie eher nicht, dabei hat sie bereits in bekannten Filmen wie „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ oder „Paddington“ mitgespielt. „Für mich ist das alles normal – es ist mein Job“, sagt Lauren bescheiden.

Und was kommt als nächstes? Schließlich läuft das Musical nur noch bis September – danach feiert das Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ am 10. November Premiere. „Ehrlich gesagt, weiß ich das für mich noch nicht. Ich habe ein Angebot im zweiten Teil von Paddington wieder als Bär mitzuspielen. Wo es mich hinziehen wird? Keine Ahnung. Was passiert, das passiert!“

Zukunftsängste sind ihr fremd. Sie scheint voll und ganz im hier und jetzt zu leben, genießt die Augenblicke, wie sie kommen. Es sei schade, dass die Show bald ein Ende finde, aber bis dahin möchte sie noch so viel wie möglich erleben. Ein Besuch in Hannover etwa steht auf dem Plan genau wie das Testen von Eissorten. Lauren schwärmt: „Es ist verrückt, wie viele verschiedene Sorten es hier gibt. Das kenne ich von zu Hause so gar nicht.“ Ein weiterer Unterschied zu Großbritannien: das Autofahren auf der rechten Seite. Oft werde sie in ihrem Mini rechts sitzend nicht als Fahrerin erkannt. „An roten Ampeln schauen die Leute dann immer ganz komisch zu mir rüber, so als würde niemand mein Auto steuern. Die denken dann wahrscheinlich: Hilfe! Ein Geisterauto!“ Lauren lacht. Das tut sie viel und gern.

Mit einer Portion Humor scheint sie durchs Leben zu schreiten und spricht dementsprechend auch über vergangene Jobs, die zu ihren verrücktesten zählen, wie etwa als sie in einem Minion-Kostüm bei der Filmpremiere über den roten Teppich lief. „Das war ziemlich absurd, da ich mich in dem Outfit so gar nicht mitteilen und reden konnte.“ Nun sind ihre Wochen in der Hansestadt gezählt. Sie wird ihren Weg fortsetzen, St. Georg verlassen und vielleicht mal wieder kommen, denn wie Lauren zum Schluss noch einmal sagt: „Man muss die Gelegenheiten ergreifen – und zwar für alles im Leben.“
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