Fahren, feiern, funkeln

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Die deutsch-chinesische Gruppe besichtigt „Das Fern- rohr“ – eine der spektakulären Skulpturen am Timmeljoch Fotos: Dagmar Gehm
 
Mit wehender chinesischer Flagge und der Breitenfelde Chapterfahne durfte die Harleygruppe bei der Parade mitfahren

Wochenblatt-Reporterin knapp 3.000 Kilometer mit chinesischen Harleyfahrern unterwegs durch Europa

Von Dagmar Gehm Hamburg Die Autorin hat als Sozia das Harley-Davidson Breitenfelde Chapter durch China begleitet und fuhr jetzt auch beim Gegenbesuch in Europa mit.

Ganz in Gold geht Yi Ping Lu aus Guangzhou bei der großen Parade bei den Hamburg Harley Days an den Start und toppt damit noch den funkelnden Chrom von 8.000 Maschinen. Den Maßanzug hatte der Chinese bei einem italienischen Nobelschneider in Auftrag gegeben. 50.000 Euro ließ er sich den Spaß kosten. „Es hat sich gelohnt“, sagt er, schließlich darf er zusammen mit sieben weiteren Chinesen und Members des Harley-Davidson Breitenfelde Chapter (Motorradclub) beim 30 Kilometer langen Corso durch Hamburg gleich hinter den Promis wie „Mr. Tagesschau“ Jan Hofer und Fußball-Legende Horst Hrubesch antreten. Pole Position!

Sie hatten die weiteste Anreise, die chinesischen Biker. Per Flug nach Rom und von dort aus mit Leih-Harleys 2.773 Kilometer weit zu den Hamburg Harley Days. Als Fortsetzung einer Freundschaft, die im Oktober 2015 entstand.
Der Hamburger Reiseveranstalter China Tours hatte für das Breitenfelde Chapter im Herzogtum Lauenburg als weltweit erste Harleyfahrer in China eine Motorradreise unter dem Namen „East Coast Tour“ organisiert, von Shanghai nach Peking, mit allen Abstechern 3.358 Kilometer lang. Die Bikes der 17 Teilnehmer waren vorher von Hamburg aus verschifft worden.

Zwischen den Kulturen

In Shanghai mussten sie am Ankunftstag erstmal den chinesischen Führerschein und einen Gesundheitscheck machen. Einer der Teilnehmer war farbenblind – kein Problem, denn rote Ampeln in China werden ohnehin meist ignoriert. Dafür wurden die Biker empfangen wie Staatsgäste und gefeiert wie Rockstars. Ganze Städte wurden für sie abgesperrt, über hunderte von Kilometern eskortierten chinesische Harleyfahrer die deutschen „Invasoren“, die mit dröhnenden Motoren aber in friedlicher Absicht in ihre Städte einrollten, mit ihnen fuhren und mit ihnen feierten. Zwei Welten, zwei Kulturen, verbunden durch die Kultmaschine aus Milwaukee.

Daraus entstand die Idee, gemeinsam mit den neuen Freunden durch Europa zu fahren. Rudi Kentzler, Activity Officer beim Breitenfelde Chapter und „Rudelführer“ auf der Reise, entwickelte mit China Tours den Gegenbesuch.
In Begleitung von sechs Chapter-Mitgliedern, zu denen sich im Laufe der Strecke immer weitere dazu gesellten, fuhr Kentzler per Bike nach Rom, um die Biker aus dem Reich der Mitte abzuholen.
Doch auch für die Chinesen bedeutete der fremde Straßenverkehr eine krasse Umstellung. So musste noch geübt werden, in versetzter Formation zu fahren. Vor allem den jüngeren Chinesen fiel es anfangs schwer, sich einzuordnen. Sie wollten es einfach nur krachen lassen, Harley fahren, bis der Motor glüht.

Verständlich, weil mindestens eine Generation Altersunterschied zwischen Deutschen und Chinesen liegt. „Wir fühlen uns sehr geehrt, mit den erfahrenen Bikern cruisen zu dürfen“, sagt Shen Wei höflich. Ist für die Deutschen eine Harley eher Ausdruck eines Lebensgefühls, gilt sie bei den Chinesen als Statussymbol. So liegt das Hauptmerk bei den Boxenstopps beim Shoppen, was Trachten- und Harleyläden hergeben.

Natürlich ist die Route mit Sehenswürdigkeiten gespickt: In Rom Kolosseum und Forum Romanum, der Balkon aus „Romeo und Julia“ in Verona. Im Ferrari-
Museum in Modena befällt die Gruppe der kollektive Selfierausch. Der Gardasee wird umrundet, am Timmelsjoch heizen sie über die steilen Serpentinen bis zum höchstgelegenen Motorradmuseum Europas im Top Mountain Cross Point. Schloss Neuschwanstein präsentiert sich im Regen, gegen die Verführungskünste der Loreley sind Biker immun. Begeistert zeigen sie sich vom Kölner Dom, von mittelalterlichen Städten wie Dinkelsbühl, Rothenburg o.d. Tauber und Lüneburg. Und von Hamburg, wo ihr Hotel mitten auf dem Kiez liegt und der heiße Mix aus Männer, Mädchen und Motoren die müden Glieder zu neuem Leben erweckt.


Mit dem Bike durch China

Veranstalter beider Reisen ist China Tours in Hamburg, www.chinatours.de.
Für China wurden zu verschiedenen Terminen zwei Routen aufgelegt:
Die 18-tägige Reise „East Coast Blues“ mit eigenem Bike von Shanghai nach Peking kostet ab 6.990 Euro, für den Sozius ab 3.690 Euro. Die 17-tägige Fahrt durch Südchina kostet für 17 Tage ab 7.290 Euro, für den Sozius ab 3.790 Euro. Beide Reisen inklusive Flug und Verschiffung der Harleys.

Eine Harleyreise gemeinsam mit chinesischen Bikern ist wieder angedacht, Preise stehen noch nicht fest.

Papiere
Reisepass, Visum und Motorrad-Führerschein, der in China innerhalb weniger Stunden umgeschrieben wird. Dazu wird auch ein Gesundheitscheck durchgeführt. Impfungen: keine
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