Für gute Integration

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Fünf vom Koordininationsteam „Gertrud hilft“: Ulf Andresen, Julia Becker, Pia Schneider-Lademann, Astrid Sanders und Peter von Gottberg (v.l.) Foto: Hanke

70 Ehrenamtliche engagieren sich bei „Gertrud hilft“

Von Christian Hanke
Uhlenhorst/Hohenfelde
„Gertrud hilft“. Der Name ist Programm. Hilfe leisten die rund 70 Ehrenamtlichen dieser Initiative bei Flüchtlingen in der Folgeunterkunft Freiliggrathstraße in Hohenfelde und der Erstversorungseinrichtung 10 am Lerchenfeld für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge im Alter von 14 bis 18 Jahren. Die Gruppe ist an die Kirchengemeinde St. Gertrud angegliedert, wo sie auch entstanden ist. Im Sommer vergangenen Jahres rief diese Gemeinde dazu auf, sich um Flüchtlinge zu kümmern. Auf einer von rund 70 Personen besuchten Versammlung bildete sich „Gertrud hilft“. „Spontan“, wie Ulf Andresen, einer der acht Koordinierer der Gruppe, berichtet. „Wir waren die einzigen, die sich für Koordination gemeldet haben und haben uns sofort gut verstanden, obwohl wir uns vorher nicht kannten“, erzählt Astrid Sanders, auch Mitglied im Koordinationssteam. „Wir können uns aufeinander verlassen. Ich weiß, dass es klappt, wenn einer der anderen etwas übernommen hat. Das tut gut“, ergänzt Julia Becker, eine weitere Koordinatorin. Schon im November waren die ersten Projekte auf den Weg gebracht. Da war die Unterkunft Freiliggrathstraße gerade eröffnet worden. Jetzt gibt es dort an jedem Donnerstag, 15 bis 18 Uhr, ein Integrationscafé.

Hilfe in allen Lebenslagen


Andere Helfer geben Deutschunterricht. Mit den Jugendlichen vom Lerchenfeld werden Hausaufgaben gemacht und Deutsch- und Mathe-Nachhilfe gegeben. Alle zwei Wochen wird im Gemeindesaal St. Gertrud ein Spieletreff für die Bewohner beider Unterkünfte organisiert. „Dabei werden auch Sprachen gelernt“, erzählt Ulf Andresen. Außerdem werden von 10 bis 12 Uhr in der Freiliggrathstraße die Kinder betreut. Besonders stolz ist „Gertrud hilft“ auf die Kulturausflüge. „In kleinen Gruppen wird Hamburg erkundet. Sie besuchen Museen oder sehen sich in einzelnen Stadtteilen um, geleitet von professionellen Stadtführern“, erzählt Ulf Andresen. Verantwortlich für dieses Projekt ist eine ehemalige Hamburger Politikerin: Ex-Kultursenatorin Helga Schuchardt. Die ehrenamtlichen Helfer sind „eher Menschen, die schon aus dem Berufsleben ausgeschieden sind“, formuliert Ulf Andresen vorsichtig. Aber es helfen auch Junge, im Café zum Beispiel. Die acht Koordinatoren gehen dagegen alle noch einer Arbeit nach, haben daher nur begrenzt Zeit, die Projekte zu koordinieren. Die Initiative hilft nicht nur, sie bildet eine wichtige „Schnittstelle“ zwischen Angebot und Nachfrage der Unterkünfte, wie Ulf Andresen erläutert. „Wir haben schnell gemerkt, dass das Personal in den Unterkünften mit zu vielen Angeboten überfordert ist, und andererseits auch eigene dringende Wünsche hat“, erzählt der Koordinator. „Es ist ein selbstverständliches Wechselspiel. Wir haben uns am Anfang mit eigenen Ideen zurückgehalten und deren Wünsche aufgegriffen“, berichtet Pia Schneider-Lademann aus dem Koordinationsteam. Die Initiative agiert im Rahmen von Vereinbarungen mit dem Landesbetrieb Erziehung und Beratung, der für die Unterkunft Lerchenfeld 10 verantwortlich ist. Die Initiative, die die einzelnen Projektgruppen koordiniert, ist zufrieden, aber es gibt neue Aufgaben. Eine Fahrradwerkstatt soll zum Beispiel für die Flüchtlinge aufgebaut werden. Noch fehlen aber ein Raum und ein ehrenamtlich tätiger „Schrauber“. Bedarf hat „Gertrud hilft“ an Menschen, die die Jugendlichen aus der Unterkunft Lerchenfeld beim und nach dem Umzug in andere Unterkünfte nach ihrem 18. Geburtstag begleiten. Dann müssen sie dort sofort ausziehen, weil sie offiziell erwachsen geworden sind. „Das ist zeitaufwändig, weil die Jugendlichen drei Monate begleitet werden müssen“, berichtet Ulf Andresen.

Mitstreiter gesucht


Glücklich ist das Koordinationsteam dagegen über die vielen Spenden von Firmen aus der Nähe der Unterkünfte und von Einzelpersonen. „Gertrud hilft“ organisiert auch Sammlungen von Kleidung und Lebensmitteln fürs Bieberhaus am Hauptbahnhof, in dem durchreisende Flüchtlinge versorgt werden. Dienstags von 16 bis 19 Uhr können Kleidung und Lebensmittel in der kleinen Kapelle in der St. Getrudkirche, Immenhof, abgegeben werden. Wer sich bei „Gertrud hilft“ engagieren möchte, der bekommt ausführliche Infos im Internet. Die Initiative ist für alle Menschen offen. Ein kirchlicher Hintergrund ist nicht erforderlich.

Weitere Infos: Gertrud hilft
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