Gans ruhig, bitte!

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Symbolik: In Sichtweite der herzförmigen Balkondeko brütet Graugans „1T9“ ihren Nachwuchs aus. Jetzt wird sie als Untermieterin auf Zeit geduldet Foto: Simon Hinrichs

Graugans „1T9“ brütet in Balkonkasten auf der Uhlenhorst

Von Waltraut Haas
Uhlenhorst
Frühling ist Brutsaison, auch bei Hamburgs Graugänsen. Für gewöhnlich haben die Tiere reichlich Auswahl für Nistplätze in Wassernähe, wohin die Gänseeltern ihre Küken einen Tag nach dem Schlüpfen geleiten. Aber diese Graugans-Mutter, vor zwei Jahren beringt mit der Nummer 1T9, hat seit Jahren besonders exklusive Vorstellungen von einem Nistplatz: Sie bevorzugt Höhenlagen mit Aussicht und versuchte immer wieder, auf Balkonen oder Terrassen in Uhlenhorst und Winterhude zu brüten. Womit Gans bei den Balkoninhabern zumeist Anstoß erregte und vergrämt wurde. Doch in dieser Saison hat 1T9 wohl mehr Glück: Sie bezog ihr Nest in einem großen Blumenkübel auf einem Balkon mit Panoramablick, im 5. Stock in der Zimmerstraße, diesmal geduldet von ihren Mitbewohnern auf Zeit. Die zeigen sich tolerant, gönnen der brütenden Gans die nötige Ruhe und benachrichtigten den Gänseschützer Simon Hinrichs. Dem Bruterfolg soll nichts im Wege stehen.

Außergewöhnliche Orte


„Gänse brüten gerne mal an außergewöhnlichen Orten“, weiß Hinrichs. „Sogar vereinzelte Baumbruten von Graugänsen sind bekannt. Der Nachwuchs springt einen Tag nach dem Schlüpfen von hohen Nestern einfach ab.“ Das sei kein Problem, wenn die Gössel weich fallen: ins Wasser oder aufs Gras. Berufstätig als Kaufmann in einer Krankenkasse, opfert er seit zehn Jahren seine Freizeit den Wildgänsen in ganz Hamburg. Seine Beobachtungen teilt Hinrichs mit Gleichgesinnten auf www.gans-hamburg.info. Von der Vogelwarte Helgoland hat er sogar eine Beringungslizenz. Anhand der Ringnummern kann der Gänseexperte das Schicksal seiner Schützlinge über Jahre verfolgen.
„Wenn alles gut geht, schlüpfen die Gössel auf dem Balkon in rund 14 Tagen.“ schätzt er. Nur der Fußweg im Gänsemarsch zum Wasser sei den Kleinen verwehrt. In der Nachbarschaft einer Baustelle könnten sie sich beim Absprung vom Balkon auf hartem Untergrund verletzen. „Deshalb werden sie möglichst zusammen mit der Mutter in einem Korb zum Hofweg-Kanal transportiert.“ Auch der Ganter, der normalerweise die brütende Gans direkt beim Nest bewacht, halte sich dauernd in Rufnähe auf und begleitet seine Holde bei ihren Brutpausen: aufs Wasser im nahen Hofwegkanal oder zum Grasen. Nach dem Kükenschlupf auf dem Balkon stehen die Chancen also gut fürs weitere Familienleben.
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