Gebt das Bild zurück!

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Dieses Bild soll möglichst schnell wieder in den Räumen des Hamburger Segel-Club an der Alster (HSC) hängen Foto: HSC

Der Hamburger Segel-Club appelliert an Diebe. Polizei-Experte eingeschaltet

Von Silvia Stammer
Der Hamburger Segel-Club an der Alster (HSC) ist stets von Menschen besucht, die sich zu benehmen wissen. Diese Annahme ist offenbar nur bedingt richtig – denn es gab offensichtlich Besuch im Clubhaus, der etwas mitgenommen hat, was ihm nicht gehört. Der HSC vermisst ein Ölgemälde, an dem viele Clubmitglieder sehr hängen. Vermutlich wurde das Bild, das die Anlage des HSC um 1927/28 zeigt, im Mai vor dem Kirschblütenfest gestohlen.
Zu denen, die das Bild vermissen, gehört Hinnerk Bodendieck, Segler und Künstler (bis 28. Juni stellt er Hamburg-Bilder in der Handelskammer aus). Auf der Homepage des HSC (www.hamburger-segel
club.de) appelliert er an die Diebe, das Bild zurückzugeben. Mit warmen Worten und Fachkenntnis. Das WochenBlatt druckt seinen Aufruf ab und hofft, dass sich jemand meldet oder das Bild einfach zurückhängt:
„Dieses kleine Gemälde könnte vom Wannsee sein. Oder vom Chiemsee. Oder von irgendeinem anderen See. Die Riggs der Jollen ähnelten sich damals so wie heute, die Yachtmode in Weiß und Blau wurde in ganz Deutschland getragen, wie heute republikweit in Bunt. Und doch sehen wir natürlich einen Steg an der Alster vor uns, das spüren wir genau, obwohl das Bild vermutlich aus den zwanziger Jahren stammt.
Tatsächlich ist es ein frühes Zeugnis Hamburger Jollensegelei; es zeigt die Anlage des Hamburger Segel-Clubs um 1927/28. Wer immer den Blick auf die Außenalster im Morgenlicht gemalt hat: Er war dort, er malte, was er sah, und er kannte sich aus.
Der Stil des Malers mutet naiv an, ein großer Künstler war er vielleicht nicht. Doch ging es ihm sowieso nicht um den großen Auftritt: Das Original misst nur 40 x 30 Zentimeter.“

„Trotzdem, oder gerade deshalb, ist ihm ein Kunstwerk geglückt, das noch 100 Jahre später den Betrachter in den Bann zieht. Es zeigt in Öl auf Hartfaser, wie es früher war: die Bohlen des Steges, einen Signalmast mit Startball, J-Jollen mit gesetzten Segeln, darauf wartend, elegant über das Wasser geführt zu werden, und einige Herren beim Betrachten der naturlackierten Schönheiten. Doch es vermittelt zugleich, was heute so anrührt wie damals: eine erwartungsvolle Stimmung vor dem Sonntagsausflug, eine leise Anspannung vor dem Regattastart oder die stille Freude am so einfachen wie schönen Ensemble aus Wasser, Ufer, Himmel, Segeln und Menschen. Es vermittelt aber vor allem etwas, das in Zeiten der Zeitknappheit und des ökonomischen Imperativs in den Hintergrund gerät: Identität und Verbundenheit.“
Ein Bild kann Emotionen wecken, Erinnerungen, Assoziationen und Gedanken provozieren – dieses kleine Gemälde aber, den Mitgliedern und Gästen des HSC so sehr vertraut, kann das nicht mehr. Es wurde nämlich, vermutlich einige Tage vor dem Kirschblütenfest im Mai diesen Jahres, gestohlen. Es wäre ein wunderbarer Beitrag für die Gemeinschaft aller Segler, wenn es ebenso geräuschlos an seinen Platz im Clubhaus zurückfände, wie es unlängst von dort abhanden kam.“
Inzwischen sind einige Hinweise eingegangen, allerdings gibt es noch keine heiße Spur, wie Joachim Schulz, Experte für Kunstdiebstahl bei der Polizei Hamburg bestätigt. "Wir haben noch keine neuen Erkenntnisse, werden nun aber die Informationen über den Diebstahl bundesweit an alle Polizeistationen geben." Er vermutet, dass das Bild möglicherweise bei einem Sammler aus Seglerkreisen besonderen "Gefallen" gefunden hat. Hinweise, dass das Bild von dem norddeutschen Künstler Geo Wolters gemalt wurde, werden derzeit geprüft. Schulz steht dazu mit einem Museum in Wischhafen in Kontakt.
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