Gedenkstein in Uhlenhorst sorgt für Ärger

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Weg mit Julius Fressel: Parzival von Pallandt verdeckt den Namen des Gründers der Frauenklinik Finkenau auf einem Gedenkstein für ihn Foto: Hanke

Verbindung zur NSDAP? Von Pallandt möchte den Namen von Klinikgründer Julius Fressel ändern lassen

Von Christian Hanke
Uhlenhorst/Barmbek
Ein Gedenkstein wird zum Stein des Anstoßes. Der Stein neben dem Gebäude der früheren Frauenklinik Finkenau, heute Hamburg Media School, der an den Gründer und langjährigen Leiter der Klinik, Professor Dr. Julius Fressel (1857-1947) erinnert. Fressel war Mitglied der DNVP (Deutschnationalen Volkspartei), die 1933 mit Hitlers NSDAP koalierte. Er unterschrieb 1933 das „Bekenntniss der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“. Deshalb fordert Parzival von Pallandt die Entfernung oder zumindest Umwidmung des Gedenksteins. Auf von Pallandts Initiative erhielt bereits eine Straße in dem hinter der früheren Klinik liegenden Neubaugebiet, die nach Fressel benannt worden war, einen neuen Namen (das Wochenblatt berichtete). Den Gedenkstein wollen Wissenschafts- und Kulturbehörde, die jetzt Eigentümer des Grundstücks sind, aber nicht entfernen lassen, da Fressel nicht nachweislich Mitglied der NSDAP war. Das lässt Parzifal von Pallandt, wie schon bei seinem Protest gegen die Straßenbenennenung, nicht gelten. „Fressel hat durch die Unterzeichnung des Bekenntnisses zu Adolf Hitler seine Neigung gezeigt. Er als Rentner hätte sich diesbezüglich nicht so ins Zeug legen müssen.“ Von Pallandt ist auch empört darüber, dass die Behörden ihn nicht vor ihrer Entscheidung gehört und nicht entsprechend darüber informiert haben. Erst durch das Bezirksamt Hamburg-Nord hatte er von dem Beschluss der Wissenschafts- und der Kulturbehörde erfahren. Von Pallandt hat nun zwei Alternativvorschläge zur Entfernung des Gedenksteins gemacht. „Der Stein könnte an Fritz Schumacher erinnnern, der die Frauenklinik entworfen hat oder an Zwangsarbeiterinnen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die in der Frauenklinik entbunden wurden. Wahrscheinlich unter keinen guten Bedingungen.“ Man müsste nur den Namen Julius Fressel entfernen lassen und einen neuen einmeisseln.

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3 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 04.09.2016 | 21:09  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 04.09.2016 | 21:11  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 05.09.2016 | 08:51  
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