Großputz am Hauptbahnhof

Anzeige
Alex und Gottfried gehören zu den Jugendlichen, die sich jeden Tag am Westausgang des Hauptbahnhofes treffen und dort friedlich zusammenstehen. Die beiden finden die Neuregelung absolut unnötig, denn den Touristen werde so ein unrealistisches Bild der Stadt geboten.

Meinungen zum Bettelverbot gehen auseinander

Von Karen Grell

City. Der Hauptbahnhof ist das Aushängeschild einer Stadt wie Hamburg und so verdreckt, wie er bisher gewesen ist ein absoluter Imageschaden für alle. Sowohl Touristen, die sich über die herumliegenden Obdachlosen und Trinker beklagen, wie auch die Hamburger selber, denen der ständige Uringeruch und die Ecken voller Müll, lange schon auf die Nerven gingen, freuen sich darüber, dass es nun eine neue Regelung für den zentralen Hauptbahnhof gibt. „Wir haben schon positive Rückmeldung von unseren Fahrgästen bekommen“, bemerken die Taxifahrer am Nordausgang, denen die Veränderung eigentlich viel zu spät kam. Es hätte längst schon etwas passieren müssen, meinen auch die meisten Hamburger, die schon die ersten Verbesserungen bemerkt haben. Bettler und Obdachlose, die auf dem Boden herumliegen, werden vom Wachpersonal aufgefordert den Bereich um den Bahnhof herum zu verlassen, die Pissoirs sind verschwunden und auch die Aschenbecher aus dem Bahnhof nach draußen verlagert worden. Die Zuständigkeiten sind am Hamburger Hauptbahnhof jetzt neu verteilt worden. Die Deutsche Bahn ist zuständig für Ordnung und Sauberkeit und sollte es zu Zwischenfällen kommen steht selbstverständlich auch die Polizei unterstützend zur Seite. Das Gerangel um die Kompetenzen hat somit ein Ende und es passiert endlich etwas.
Doch nicht alle Hamburger und Anwohner rund um den Hauptbahnhof sehen den Veränderungen positiv entgegen. Gerade der Stadtteil St. Georg steht Kopf, denn hier befürchtet man eine Verdrängung der problematischen Gruppen vom Hauptbahnhof weg in Richtung ihres Viertels. „Wir fühlen uns von dieser Entscheidung überrumpelt“, so Michael Joho, der in der Koppel wohnt und in dem Bettelverbot keine Lösung sieht. Die Menschen würden ja nicht einfach verschwinden, sondern nur ein paar Meter weitergehen und dort für ihre Probleme eine Lösung suchen. Auch die Jugendlichen, die sich täglich an der Westseite des Bahnhofs treffen, befürchten, dass es durch das Wegschicken unterschiedlicher Randgruppen einfach nur noch ein Bild voll von gestressten Reisenden geben könnte. Die meisten Hamburger allerdings zeigen sich erfreut über den neuen Anblick und vor Allem über den fehlenden Gestank. Ab sofort gilt also, die Zuständigkeit der überdachten Bereiche des Bahnhofs durch den DB-Sicherheitsdienst, und das für die nächsten zehn Jahre, und die Intensivierung der Reinigung durch die Stadt. Beschlossen wurden diese Neuerungen an einem runden Tisch zusammen mit dem Senat, der Bahn, dem Bezirk, der Polizei und den sozialen Trägern. Dabei hatte Andy Grote, der Bezirkschef, noch vor ein paar Wochen erklärt, dass eine Übertragung des Hausrechts nicht vorgesehen sei“, erinnert auch der Einwohnerverein St. Georgs die damalige Situation. Mit der neuen Regelung ist es nun möglich, Menschen, die für das Stadtbild als störend empfunden werden, wegzuschicken. Wer sitzt oder liegt, bettelt oder zu viel Alkohol trinkt darf des Platzes verwiesen werden. Der schmutzige Fußgängertunnel, der den Obdachlosen als öffentliche Toilette diente, und von Fahrgästen eigentlich nur noch gemieden wurde, ist jetzt geschlossen und für die Alkoholkonsumierenden soll es eine spezielle Trinkerhalle geben. Wie sich die Bereiche in der näheren Umgebung des Hauptbahnhofs dann entwickeln werden, bleibt vorerst abzuwarten. (kg)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige