Grünen-Politiker: Langer Atem wird oft belohnt

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Michael Osterburg findet, dass Politik einen langen Atem braucht Foto: Timm

Fraktionschef Michael Osterburg aus Hamburg-Mitte im Sommergespräch

Von Frank Berno Timm
Horn/City
Michael Osterburg, Fraktionschef der Grünen in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, trifft sich mit dem Hamburger Wochenblatt zum Sommergespräch.

Hamburger Wochenblatt: Herr Osterburg, was macht Ihnen Spaß an der aktiven Politik?
Michael Osterburg: Dabei zu helfen, Dinge zu verändern, meinen Bezirk weiter zu entwickeln. Die Leute kommen zu mir und berichten von ihren Schwierigkeiten, mit denen ich mich dann auseinandersetzen und etwas verändern kann.

WB: Sorgt es für Frust, wenn diese scheinbar unwichtigen Probleme nicht gelöst werden?
Osterburg: Ja, natürlich sorgt das für Frust. Verwaltung hat ihr Eigenleben, ihre eigenen Kapazitäten. Es muss auch noch gespart werden. Deshalb finden wir ja auch immer weniger Leute, die aktiv mitmachen wollen. Ich finde trotzdem: Langer Atem wird immer wieder belohnt.

WB: Vom Bezirk wird verlangt, dass er sparen muss. Gleichzeitig brauchen Sie aber eigentlich neue Leute
Osterburg: Es ist ja noch verzwickter: Jede Aufgabe, die der Senat von uns verlagert, ist vorher dort von niemandem erledigt worden. Wir wollen, dass bei der Stadtplanung Mitarbeiter eingestellt werden. Aber dann hören wir eben, dass es insgesamt nicht mehr werden dürfen – wir müssten also theoretisch Leute in anderen Ressorts entlassen, wo wir sie ebenfalls dringend brauchen. Sie müssen auch wissen, dass Mitarbeiter in den Fachbehörden besser bezahlt werden als unsere Leute – dieses Missverhältnis ist ein Problem.Wir wollen auch im Management des öffentlichen Raums mehr Leute einstellen. Es gibt viele berechtigte Beschwerden über den Zustand der Grünanlagen – die werden aber immer wichtiger für die Lebensqualität von Mensch und Tier, wenn wir auf Innenverdichtung setzen und in den Vierteln mehr Wohnungen bauen wollen.

WB: Was haben Sie außerdem gerade auf Ihrem Zettel?
Osterburg: Das Bündnis für den Radverkehr. Auch hier brauchen wir Leute, die neue Radwege planen, ausschreiben und abnehmen. Geld – immerhin 32 Mio. Euro – steht bereit. Wenn wir den Radverkehr verbessern, hat das auch positive Auswirkungen auf Fußgänger – weil es einfach weniger zu Konfrontationen kommt.

WB: Aber das Umdenken, das einen Abschied vom Autofahren wirklich ernsthaft einläutet, erfolgt nicht?
Osterburg: Den Trend weg vom Auto gibt es schon längst, das passiert sukzessive. Wir müssen auch den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) weiter verbessern, wir brauchen mehr Querverbindungen – zum Beispiel von Wandsbek nach Rothenburgsort oder von Bergedorf nach Mümmelmannsberg. Auch das Hamburger Stadtrad muss in Richtung Osten und Süden weiter ausgebaut werden – vielleicht, wenn wir es neu ausschreiben.

WB: Wann soll das denn sein?
Osterburg: Schon im nächsten Jahr. Wir finden es wichtig, dass im Verkehr immer mehr Lastenfahrräder unterwegs sind und es die ersten, kommerziellen Projekte damit gibt. Da leistet der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) gute und wichtige Beratungsarbeit. Wir haben ja auch die Parkraumbewirtschaftung in der Innenstadt – sie soll auch in den Stadtteilen kommen. Für uns gibt es kein Grundrecht auf einen kostenlosen Parkplatz im öffentlichem Raum, dafür ist dieser zu wertvoll. Mit Anwohnerparken erzielen andere Städte gute Lösungen zum Wohle aller.

WB: In zwei Jahren sind Wahlen. Was wollen Sie bis dahin noch schaffen?
Osterburg: Uns ist es wichtig, dass es bei den 1.400 Wohnungen, die wir jährlich im Bezirk Mitte bauen wollen, eine gute Durchmischung gibt. Dass also auch geförderte Wohnungen in der Innenstadt und Eigentum in Billstedt entstehen. Die Integration der Geflüchteten müssen wir so leisten, dass es spürbar wird, dass diese neuen Hamburger eine Bereicherung für unsere Stadt sind: Sie sollen sich schnell zu Hause fühlen. Wir müssen dafür sorgen, dass Einrichtungen wie der Meldemichel gut funktionieren. Wer sich beschwert, muss Antworten bekommen und Rückmeldungen, wenn es länger dauert. Dafür brauchen wir die entsprechenden Leute.

Info:

Michael Osterburg, 48 Jahre, ist promovierter Wirtschaftsingenieur. Er leitet das Büro des Bundestagsabgeordneten Manuel Sarrazin. Er ist Vorsitzender der Grünen Fraktion und Vorsitzender des Verkehrs- und Umweltausschusses in der Bezirksversammlung Mitte und stellvertretender Landesvorsitzender der Europa Union Hamburg.
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1 Kommentar
803
Erich Heeder aus Billstedt | 31.08.2016 | 18:23  
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