Hamburg: Alter Wall wird Boulevard

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Blick in den Alten Wall mit Adolphsbrücke (links) und Börse (rechs). Die Grafik zeigt die historische Fassade der Häuser und Läden. Auf Höhe der Bäume liegt die Passage. Im Vordergrund steht ein KunstobjektGrafik: Art-Invest/Cadman

Für 250 Millionen Euro: Neue Gebäude mit Einzelhandel hinter alter Fassade

Von Malte Betz

Hamburg / Altstadt. Ein neues Großbauprojekt hat in der Hamburger Innenstadt begonnen. Am Alten Wall, direkt neben dem Rathaus und der Börse, entsteht ein neuer Einkaufsboulevard auf über 150 Metern Länge. Bis Herbst 2017 sollen dafür die ehemaligen Bankgebäude, die sich unterhalb des Bucerius-Kunstforums anschließen, entkernt werden. Das Bauprojekt wird rund 250 Millionen Euro kosten. Die Abrissarbeiten haben bereits begonnen.

Für den Oberbaudirektor der Stadt, Jörn Walter, endet damit „ein Elend.“ Der Alte Wall sei dort über Jahrzehnte zur „toten Ecke der Innenstadt“ verkommen. Der Prachtboulevard, der er vor dem Ersten Weltkrieg gewesen war, diente zuletzt als Parkplatz für Autos. Die Gebäude standen bereits seit Jahren leer. Die Pläne des Kölner Investors Art Invest sind ehrgeizig: So soll der gesamte Komplex, der direkt neben dem Alsterfleet liegt, eine fünfgeschossige Tiefgarage erhalten. Allein der Aushub der Grube wird ein Jahr dauern.

Ein Atrium mit 100 Metern Länge

Unter der Erde sollen 230 Stellplätze entstehen, die teilweise auch als öffentliche Parkplätze nutzbar sein werden. Überirdisch wird die denkmalgeschützte Ostfassade, gegenüber dem Rathaus, erhalten bleiben und nur leichte Modifikationen – mit Blick auf den Originalzustand – erhalten. Am auffälligsten werden kleinere Rückbauten im Bereich der Dachfront sein. Das rote Stützkorsett für die Fassade steht bereits auf dem Alten Wall. Im Inneren entsteht ein knapp 100 Meter langes Atrium.
Auf der Rückseite kann eine schützenswerte Backsteinfront aufgrund technischer Unmöglichkeiten nicht gerettet werden: Das tonnenschwere Stützkorsett müsste in den Alsterfleet gestellt werden, doch darunter verläuft der U-Bahntunnel, der die Last nicht tragen kann. Die Fassade zum Wasser hin soll im alten Stil wiederhergestellt werden.
Lediglich im mittleren Bereich werden die Fassaden beidseitig durch einen Öffnung auffällig verändert. Denn das Highlight des Gebäudekomplexes wird ein zentrale Passage sein. Auf der Wasserseite wird sich daran eine neue Fußgängerbrücke über den Alsterfleet anschließen, die hinüber zum Neuen Wall führt.
Rund 10.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche sollen geschaffen werden, dazu 18.000 für darüber liegende Büros. Auf dem Boulevard sollen zudem Kunstobjekte installiert werden, in Zusammenarbeit mit dem direkten Nachbarn, dem Bucerius-Kunstforum. Stadtplaner wie Investoren erhoffen sich durch das Projekt eine Art Brückenschlag für die Besucherströme der Innenstadt zwischen dem Bereich Mönckebergstraße und dem Areal hinter dem Jungfernstieg.
Die Nachfrage potenzieller Mieter aus dem internationalen Einzelhandel sei bereits da, versicherte Jan Rouven Künzel von Art-Invest, wollte jedoch noch keine Namen nennen.
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