Hamburg: Das Geheimnis der Seemannskiste

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Felix Tolle vom Seemannsheim wird wieder Koffer, Taschen und Kisten versteigern
 
Der Erlös der Auktion kommt den Seeleuten zugute. Vor zwei Jahren waren es 800 Euro

Am kommenden Mittwoch wird wieder Gepäck versteigert – für einen guten Zweck

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Die hohen Holzregale im Keller sind voller Gepäckstücke, selbst auf den Gängen türmen sich pralle Koffer, große Reisetaschen, Rucksäcke und sogar eine große Seemannskiste aus Metall, rund 30 Kilo schwer. „Die kommt auch unter den Hammer“, erklärt Felix Tolle (36), Vize-Leiter des Deutschen Seemannsheim im Krayenkamp 5, direkt am Michel.
Am 6. August um 14 Uhr ist es wieder soweit. An diesem Tag werden unter dem Motto „Hamburger Koffer-Hoffer“ rund zwei Dutzend nicht abgeholte Seemannskoffer öffentlich versteigert. Es gilt das Prinzip der Wundertüte. Geboten wird auf verschlossene Koffer, die von der abgenutzten Jeans über irische Münzen und Mitbringsel aus aller Herren Länder bis zur DVD-Sammlung alles enthalten können - wertvolle Schätze sind aber eher nicht zu erwarten.

Inhalt: Unbekannt

Der Erlös der Versteigerung kommt der Betreuung der Seeleute in der Mission zu Gute. Wer früher mit der Rickmer Rickmers Reis und Bambus aus Hongkong holte oder auf der Cap San Diego nach Santos dampfte, hatte eines dabei: Seine Seekiste. Gerade auf Großseglern mussten Leicht- und Vollmatrosen Ordnung halten und ihr weniges Hab und Gut sicher verwahren. Jeder Seemann kannte das ungeschriebene Gesetz: Keiner im Matrosenlogis verschloss auf See seine Seekiste. Wer es wagte, erweckte Misstrauen. Heute sind die Zeiten anders. Die Seekisten sind nicht mehr aus alten Holzplanken, Messing-beschläge fehlen. Doch in den Seekisten der Moderne, den Koffern, Reisetaschen und Matchbeuteln steckt sie drin - diese ganz besondere Mischung aus Seefahrer-Romantik und harter Arbeit auf See.

Seefahrer-Romantik

Diese Koffer machen neugierig, einst und jetzt: Was mag da drin sein, was bringt der Besitzer mit aus der Fremde ...? Denn auch heute noch nimmt jeder Seemann seine Privatsachen auf große Fahrt mit. Wenn allerdings der Koffer nicht dabei sein kann, bewahrt das Seemannsheim am Krayenkamp diese Koffer und Seesäcke auf. Doch wie Seeleute zuweilen so sind - mancher vergisst, wo und wann er seine Habe abgestellt hat. Oder er geht auf einen neuen Lebenskurs, wirft dabei manches quasi über Bord. Was mag die schwere Seekiste aus Metall wohl enthalten? „Sicher auch einige Bücher, der Eigentümer hat viel gelesen“, erinnert sich Felix Tolle. Die Kiste steht bereits seit 2010 im Keller - „Hartmut“ steht als Eigentümer auf dem Aufkleber. Dieser 1. Offizier an Bord eines Frachtschiffes hatte sich damals auf den Weg nach Südamerika gemacht, um den Kontinent mit seinem Motorrad zu bereisen. „Wir haben nie wieder was von ihm gehört“, sagt Felix Tolle. Bei der letzten Versteigerung vor zwei Jahren kamen gut über 800 Euro zusammen.

Zum HSV-Spiel

Mit dem Geld werden unter anderem Veranstaltungen für die Seeleute finanziert oder Ausflüge - zu einem HSV-Spiel zum Beispiel oder wie in in dieser Woche in Hagenbecks Tierpark. Knapp 25.000 Übernachtungen gab es im vergangenen Jahr in den 83 Zimmern mit insgesamt 120 Betten des Seemannheimes. Aber nicht nur Seeleute finden hier ein vorübergehendes Zuhause, denn das Heim am Krayenkamp steht für jeden Gast offen. Er zahlt pro Nacht und Frühstück mit 86 Euro im Doppelzimmer allerdings deutlich mehr als die Matrosen – die können hier schon ab 16 Euro pro Nacht schlafen.

Mittwoch, 6. August, 14 Uhr, Deutsches Seemannsheim, Krayenkamp 5
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