Hamburg: „König der Kneipenszene“

Anzeige
Treff in der Kneipe „Viel Harmonie“: Natürlich kennt auch Servicekraft Regina Lechner Gastronomielegende Broder Drees (68) Foto: je

Gastro-Legende Broder Drees über den Großneumarkt gestern und heute

Von Martin Jenssen
Hamburg. „Dorf am Fuße des Michels“, nennen die Anwohner ihre Siedlung um den Großneumarkt. Ein Szeneviertel, dessen Gastronomie immer wieder „Höhenflüge“ und „Abstürze“ erlebte. Seit 1899 führt der „Großneumarkt“ seinen heutigen Namen. Eine Kneipengegend, in der selbstverständlich (nur die Berliner bezweifeln es) die Currywurst erfunden wurde.
Um viele Gäste an den Großneumarkt zu locken, gab es immer neue „Rezepte“. So übernahm der Gastronom Broder Drees in den 1970er-Jahren das Zepter in der Kneipenszene. Damals sollten Wohnhäuser abgerissen und durch Bürohäuser ersetzt werden. Doch mit den neuen Kneipen, die zeitgleich in der Neustadt eröffneten, kam das Wohlgefühl der Anwohner am Großneumarkt zurück.
Das Viertel blühte auf. Broder Drees, dem zwischenzeitlich neun Kneipen in der Neustadt gehörten, wurde als „Retter vom Großneumarkt“ gefeiert. In jeder Kneipe wurde etwas geboten, klassische Musik, Jazz, Pop, Kleinkunst oder Vorlesungen. „Die Gäste haben etwas erlebt“, sagt Broder Drees, der selbst das Abenteuer suchte. Er gab seine Kneipen ab und ging im August 1987 nach Leningrad (heute St. Petersburg), um dort eine deutsche Kneipe zu eröffnen. Nach seiner Rückkehr führte er zunächst eine russische Kneipe am Großneumarkt, die „Tschaika“, um schließlich ganz aus der Gastronomie auszusteigen. Er eröffnete ein Institut für Seebestattungen.
Und wie ist es heute am Großneumarkt?„Im Moment könnten wir wieder neue Impulse gebrauchen. Der Besucherstrom hat rapide nachgelassen“, sagt der Besitzer vom Eiscafé Porto Luca auf dem Großneumarkt. „Es gibt zu wenig Parkplätze. Viele Arbeitsplätze in der Umgebung wurden abgebaut. Außerdem wurden die Feste, die früher viele Besucher an den Großneumarkt lockten, einfach abgeschafft.“ Probleme sieht auch Broder Drees, der in der Nähe des Großneumarktes noch immer seinen Wohnsitz hat. „Viele Gastwirte machen Tag ein Tag aus nur Dienst nach Vorschrift“, meint er. „Mehr Kunden bekommt man aber nur mit frischen Ideen und neuen Konzepten. Nostalgiekneipen, so schön sie auch sind, reißen das nicht raus.“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige