Hamburg macht Senioren fit

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Die Chefärzte Dr. Helmut Bühre (hinten links) und Dr. Daniel Kopf (re.) schauen mit Cornelia Prüfer-Storcks (Mitte) Patienten beim Spielen über die Schulter Foto: ks
 
Alltag in der geriatrischen Station: Physiotherapeut Volker Lindemeier überwacht Hellmut Lorenzen (88) bei seinen Ausdauer-Übungen am Motomed Foto: ks

Geriatrische Kompetenzzentren sollen Lebensqualität erhalten

Hamburg Man kann es beim Spaziergang an der Elbe wahrnehmen oder beim Radfahren an der Alster. Die Zahlen sprechen ohnehin für sich: Die Hamburger werden immer älter – die jüngste Statistik belegt, dass fast jeder fünfte Einwohner (19 Prozent) über 64 Jahre alt ist – insgesamt 146.000 Männer und 192.000 Frauen. Im Jahr 2030 wird bereits jeder dritte Hamburger über 60 Jahre alt sein, so die Hochrechnungen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt eine altersgerechte medizinische Versorgung immer mehr an Bedeutung. Hamburg ist in diesem Punkt im Bundesvergleich gut aufgestellt. Während zum Beispiel Berlin mit über 3,4 Millionen Einwohnern lediglich über 1.200 Betten auf geriatrischen Stationen verfügt, sind es im deutlich kleineren Hamburg bereits gut 1.000 entsprechende Betten. Jüngstes Beispiel für die Vorreiterrolle Hamburgs im Bereich der altersgerechten Behandlung ist ein Verbund von 17 Kliniken im Stadtgebiet, von denen bislang sechs über eine eigene geriatrische Abteilung verfügen und darüber hinaus auch möglichst eng mit niedergelassenen Ärzten und Pflegeeinrichtungen kooperieren. Das neue Netzwerk ist eine Initiative der freigemeinnützigen Krankenhäuser in der Stadt. Es soll die altersgerechte Behandlung durch ständigen Informationsaustausch, Qualitätskontrollen und Weiterbildung von Ärzten, Pflegepersonal, Ergo- und Physiotherapeuten an die speziellen geriatrischen Anforderungen sicherstellen.

Hoher Pflegeaufwand


Das katholische Marienkrankenhaus in Borgfelde gehört zu den Kliniken mit eigenen Geriatrie-Stationen. Weitere geriatrische Abteilungen im Verbund gibt es in Schnelsen (Albertinen-Krankenhaus), Eimsbüttel (Diakonieklinikum), Volksdorf (Amalie-Sieveking-Krankenhaus), Wilhelmsburg (Krankenhaus Groß-Sand) und Bergedorf (Bethesda-Krankenhaus). Allen gemein ist die steigende Zahl von älteren, zum Teil gebrechlichen Patienten, bei denen oft erst im Klinikbett weitere Erkrankungen festgestellt werden. Bei einem Besuch im Marienkrankenhaus kündigte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks nun an, dass bis 2017 in sämtlichen Hamburger Bezirken sogenannte Kompetenzzentren für Geriatrie eingerichtet werden sollen, um die Selbstständigkeit und Lebensqualität älterer Bürger so lange wie möglich zu erhalten, zu verbessern oder zurückzugewinnen.
Im Marienkrankenhaus werden neben vier geriatrische Stationen auch eine weitere für Patienten mit Demenz vorgehalten, denn auch deren Zahl steigt. Bei der Einrichtung dieser Station hat man darauf geachtet, für diesen Personenkreis so etwas wie eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. So erinnert das Mobiliar im Fernsehraum eher an die 1970er-Jahre. Türschilder sind zum Teil in Sütterlin beschriftet, die Speisekarte ist überschaubar norddeutsch-bodenständig ausgerichtet. Und weil Demenz-Patienten meist gerne zu Fuß umherlaufen, ist ihre Abteilung architektonisch eher rund angelegt – damit sie länger unterwegs sein können.
Bei Demenz-Patienten ist der Pflegeaufwand hoch. Deshalb äußerten sich Senatorin Prüfer-Storcks sowie die beiden zuständigen Chefärzte kritisch über die jüngste Krankenhausreform, die lediglich die Behandlung des Patienten vergütet, nicht aber den hohen Pflegeaufwand bei älteren und demenzkranken Patienten. (ks)
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 08.08.2015 | 11:31  
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