Hamburg: „Pflege liegt am Boden“

Anzeige
Etwa 90 Pflegekräfte protestierten am vergangenen Sonnabend auf der SpitalerstraßeFoto: mt

Flashmob in der City gegen Pflege-Notstand

Von Marco Thielcke
Hamburg. In der Spitalerstraße wurden Passanten jetzt Zeugen einer ungewöhnlichen Protestaktion. Rund 90 Hamburger Pflegekräfte legten sich am Sonnabend zehn Minuten lang in der Einkaufsstraße auf den Boden und demonstrierten für bessere Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen. Sonst ein schiefes Bild, diesmal aber Programm: „Pflege liegt am Boden“ heißt das Motto der bundesweiten Aktion, die in 46 Städten stattfand.
Daniel Frank ist Krankenpfleger im Schön Klinikum in Eilbek und hat den stillen Protest in Hamburg organisiert. „Wir wurden von der Politik vergessen, jetzt gehen wir auf die Straße“, sagt der 26-Jährige. Zusammen wollen sie auf schlechte Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. Pflegenotstand, das heißt für Franks Kollegen: Personalmangel, geringe Bezahlung und Überstunden. „Laut Arbeitsvertrag habe ich eine 40-Stunden-Woche. Im Schnitt bin ich aber 50 Stunden für meine Patienten da“, sagt Frank. Ein Pfleger muss oft 30 Patienten betreuen. „Das hohe Arbeitspensum belastet uns Pflegekräfte sehr. 20 Prozent der Kollegen fallen im Schnitt wegen Krankheit aus“, schätzt Romi Klages, Pflegehilfskraft aus Hamburg. Besonders zu schaffen macht den Pflegekräften der Personalmangel. Doch auch sie fragen sich, wer sich bei solchen Arbeitsbedingungen für eine Ausbildung im Bereich Pflege entscheiden soll. Dominique Hennekes, 21, hat sich für den Beruf entschieden. Sie studiert Pflege im fünften Semester in Rheine. „Klar, der Lohn ist kein Anreiz. Mir macht die Arbeit aber viel Spaß“, sagt die Studentin aus Nordrhein-Westfalen. Sie ist zu Besuch in Hamburg und nahm spontan an dem Protest teil.
Daniel Frank freut sich über die die große Unterstützung. „Beim letzten Flashmob im Oktober lagen wir vor dem Rathaus mit 15 Pflegern. Heute haben wir mehr Aufmerksamkeit.“ Frank will vor allem die Politik zum Umdenken bewegen. „Alle reden immer nur vom demographischen Wandel. Der betrifft direkt unsere Branche. Es muss sich etwas ändern“, fordert der junge Pfleger.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige