Hamburg setzt auf Bürger-Olympia

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Olympia der kurzen Wege

Sportstätten im Zehn-Kilometer-Radius: Nach Wettbewerb von allen zu nutzen? Messehallen werden umgebaut

Von Klaus Schlichtmann
Hammerbrook Gut 200 Interessierte fanden jüngst den Weg zu einer öffentlichen Diskussions- Veranstaltung, zu der die Stadtwerkstatt in die MagnusHall an der Amsinckstraße eingeladen hatte. Thema des Abends: die Sportstätten für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Hamburg. Fest steht schon heute: Es sollen Spiele der kurzen Wege werden. „Bestehendes zu nutzen ist eine der obersten Devisen der Olympischen Spiele in Hamburg“ - dieser Leitspruch zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung wie auch die Prämisse, maßvoll, nachhaltig und barrierefrei zu planen. Wie berichtet, sollen die „Spiele“ zum überwiegenden Teil in einem Radius von lediglich zehn Kilometern um das olympischen Zentrum auf dem Kleinen Grasbrook in der Hafencity stattfinden.

Zehn-Kilometer-Radius

Nur die Segelwettbewerbe (Kiel), das Vielseitigkeitsreiten (Lohmühlen) und das Schießen (Garlstorf) liegen außerhalb dieser Zehn-Kilometerzone, ebenso die Vorrundenspiele im Fußball sowie die Fußball-Turniere für Frauen und Junioren. „Die erfolgreichen Spiele in London waren da für uns durchaus ein Vorbild“, erklärte Architekt Frank Höf aus dem Planungsteam des renommierten Frankfurter Büros Albert Speer & Partner. Das Sportstätten-Konzept umfasst 23 bestehende Anlagen wie das Volkspark-Stadion, das Tenniscenter am Rothenbaum oder der Spring- und Derby-Parcours in Klein-Flottbek. Acht temporäre, also zeitlich begrenzte Anlagen müssten noch errichtet bzw. entsprechend den Anforderungen hergerichtet werden.
Fünf neue, zentrale Sportstätten auf dem Grasbrook müssen gebaut werden. Auch sechs der acht Messehallen sollen für unterschiedliche Disziplinen wie Handball, Boxen oder Tischtennis genutzt werden - damit wäre das Messegelände neben dem Grasbrook das zweite zentrale Olympiagelände. Dass dafür aber einige bauliche Veränderungen wie das Entfernen von Stützpfeilern erforderlich sind, stieß bei einem Zuhörer im Publikum auf Kritik: „Warum baut man nicht auf dem Heiligengeistfeld temporäre Hallen auf, die nach den Spielen wieder entfernt werden?“, lautete die Frage. Antwort aus dem Planungsteam: „Es werden sehr viele Zuschauer bei den Disziplinen erwartet, für die die Messehallen vorgesehen sind. Da ist es mit Hallen und Tribünen in Leichtbauweise nicht getan, außerdem wären diese vorübergehenden Sportanlagen auch nicht gerade preisgünstig“.

Spezielle Anforderungen

Frage: „Warum soll die Stadtparkwiese für die Bogenschützen hergerichtet werden? Warum finden diese Wettbewerbe nicht auf der Horner Rennbahn statt?“ Antwort: „Die Schießanlage muss auf einer Nord-Süd-Achse verlaufen, die so in Horn nicht gegeben ist.“
Frage: „Neben den Sportstätten werden viele Trainingsstätten benötigt. Gibt es da auch schon ein Konzept?“ Antwort: „Auch da sind wir auf einem guten Weg! Auf jeden Fall sollen diese überwiegend bestehenden Trainings- Einrichtungen innerhalb eines 30-Kilometer-Radius vom Olympiastadion liegen.“
Ein Zuhörer fragt schließlich nach dem Erlebnis-Charakter für die Zuschauer über den Sport hinaus. Dazu gibt es die Idee einer Art „Bürger-Olympia“. Bernhard Schwank, Sportlicher Direktor der Hamburger Bewerbungsgesellschaft: „Denkbar ist, dass einige olympische Sportstätten unmittelbar nach den Wettbewerben auch von Bürgern genutzt werden können.“ Für die Sportarten Beach-Volleyball, Mountain-Biking und Kanuslalom sind noch keine Austragungsorte festgelegt - Vorschläge sind willkommen. Golf könnte auf Gut Kaden oder am Treudelberg stattfinden.
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