Hamburger City stark belastet

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Schwarzer Schiffsruß (Kreis) durch Betrieb mit Schweröl: Gefährdung von Klima, Umwelt und Gesundheit? Ein Kreuzfahrtschiff verursache so viele Abgase wie fünf Millionen Autos, sagt der Nabu Foto: Nabu/wb
 
„Schluss damit!“ fordert Malte Siegert vom Nabu Hamburg Foto: privat/wb

Nabu warnt vor Schiffsabgasen. Behörde: „Keine Verschlechterung“

Von Waltraut Haas
Hafencity/City
Erst kürzlich eröffneten sie Hamburgs Kreuzfahrtschiff-Saison: Die „Queen Elizabeth“ und die „Queen Victoria“ legten einmal mehr in der HafenCity und in Altona an. Dass die Schiffsriesen stets auch eine Menge Rußpartikel und gesundheitsschädlicher Abgase in die City pusten, wurde einmal mehr vom Hamburger Naturschutzbund (Nabu) mit Sitz in Borgfelde kritisiert. Die Umweltverschmutzung durch die Schiffe werde von Politikern, Zuschauern und Reisenden immer noch ausgeblendet, warnt Malte Siegert. Gegen gerne zitierte Superlative nimmt der Umweltreferent des Nabu Hamburg den enormen Energiebedarf der Luxus-Liner aufs Korn, die ihre Motoren für ihre Stromproduktion auch während der Liegezeit weiterlaufen lassen. „Zwei der drei Hamburger Kreuzfahrtterminals liegen dicht an der Innenstadt. Ihre schädlichen Abgase gelangen so direkt in Wohngebiete“, erklärt Siegert. „Diese Abgasmenge im Straßenverkehr gäbe einen Aufschrei.“ Doch auf der Straße wurden Ruß-
partikelfilter für Dieselfahrzeuge und Stickoxidkatalysatoren schon lange durchgesetzt. Auto-Kraftstoffe seien zudem sauberer als Schiffs-Diesel, sogar um ein vielfaches, als das im Schiffsverkehr immer noch verwendete Schweröl.
„Es ist unbegreiflich, dass die Schifffahrt trotz hochgefährlicher Emissionen kaum Regularien hat“, findet der Nabu-Referent. Kaum eines der Hamburg anfahrenden Kreuzfahrtschiffe verfüge über eine zeitgemäße Abgastechnik. Sie stoßen hohe Konzentrationen von Stickoxiden, Schwefeldioxiden und Feinstaub aus, die Herz-Kreislauferkrankungen oder Asthma verursachen, bei der WHO gelten sie als extrem krebserregend. „Solche Gesundheitsrisiken dürfen ökologisch verantwortliche Reeder wie Politiker nicht länger in Kauf nehmen“, fordert Malte Siegert. Doch selbst wenn sie Grenzwerte von 0,1 Prozent Schwefel im Abgas einhalten, sei das „Wie“ den Reedern überlassen: Viele verwenden dazu so genannte Scrubber, das sind Abgas-Entschwefelungsanlagen. So können sie ihre Schiffe weiter mit Schweröl betreiben.
„Deswegen setzt sich der Nabu dafür ein, dass die Schiffe kein Schweröl mehr verfeuern, einem Abfallprodukt der Raffinierung.“ Richtig clean im „Nabu-Ranking 2015“ seien bislang nur zwei Schiffsriesen: Sie laufen jedoch frühestens 2019 vom Stapel. Solange befürwortet der Naturschutzbund zwar neue Landstromanlagen, eine wird am Terminal Altona im Juni eröffnet. „Doch die funktionieren nur an der Kaikante.“ Absurd sei aber, dass bislang kaum ein Schiff zur Stromabnahme ausgerüstet sei. Und wenn, käme der schiffseigene Strom billiger, trotz eingeräumter Rabatte im Hafen.
Schiffe sollten also künftig grundsätzlich mit Katalysatoren oder Rußpartikelfiltern ausgerüstet werden. Besser noch wäre der Verzicht auf den Betrieb mit Schweröl und der Einsatz emissionsarmer Kraftstoffe wie Flüssiggas, fordert der Nabu.
Wie steht es bis dahin mit der Hafenluft? Seit Herbst 2015 sei eine neue Luftmessstation im Hafen in Betrieb, teilt Jan Dube von der Umweltbehörde mit. „Detaillierte Messungen müssten jedoch direkt an der Emissionsquelle erfolgen, also an Bord der Schiffe“, so Dube weiter, was aber „technische und organisatorische Schwierigkeiten“ bereite. Solange gibt die Behörde Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) „Entwarnung“. Denn die Luftqualität werde kontinuierlich messtechnisch überwacht. „Die Ergebnisse bestätigen den Verdacht auf eine Verschlechterung bedingt durch die Kreuzfahrt nicht.“ teilte BWVI-Sprecherin Susanne Meinecke mit. (wh)

Weitere Infos: www.nabu.de/mirstinkts
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